Wahr & Unwahr

Wahr ist, dass Prinz Har­ry in sein­er Biogra­phie das britis­che Königshaus ziem­lich blöd daste­hen lässt.

Unwahr ist, dass der Prinz nur seinen adeli­gen Pflicht­en, der Pro­duk­tion und Ver­bre­itung von Skan­dalen der Roy­als, nach guter alter Tra­di­tion nachkommt. 

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Wahr ist, dass die FDP-Poli­tik­erin Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann schnell­stens die Liefer­ung des Kampf­panz­ers Leop­ard II an die Ukraine fordert

Unwahr ist, dass die Lob­by­istin der deutschen Rüs­tungsin­dus­trie höchst selb­st im Turm des Kampf­panz­ers ste­hend in Moskau ein­marschieren will.

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Wahr ist, dass die Staat­san­walt­shaft ein Ver­fahren gegen Finanzmin­is­ter Lind­ner wegen des Ver­dachts der Vorteil­nahme im Amt ein­geleit­et hat.

Unwahr ist, dass Lind­ner den Tipp: „Eine Hand wäscht die andere“, der Präsi­dentin der EU-Kom­mis­sion, Ursu­la von der Leyen, während der Pan­demie falsch ver­standen hat. 

Zitate 2022

Am let­zten Tag des Jahres die Zitate, die in 2022 in beson­der­er Weise hän­genge­blieben sind. 

„Wir ste­hen an eur­er Seite, solange ihr uns braucht – dann möchte ich es ein­lösen, egal, was meine deutschen Wäh­ler denken.“
— Annale­na Baer­bock – definiert den Begriff Demokratie neu —

„Wir wer­den uns das ein oder andere nicht mehr leis­ten können.“
— Mul­ti­mil­lionär Friedrich Merz denkt über den Verkauf eines sein­er zwei Flugzeuge nach —

»So viele Schilder haben wir gar nicht auf Lager.«
— Verkehrsmin­is­ter Volk­er Wiss­ing hat gute Gründe gegen ein Tem­polim­it auf deutschen Autobahnen — 

„Ich weiß, wie es ist, diskri­m­iniert zu wer­den. Ich wurde gemobbt, weil ich rote Haare hatte“.
— Fifa-Chef Gian­ni Infan­ti­no ist froh, jet­zt eine Glatze zu haben —

„Heute ist der Moment, wo wir uns ehrlich fra­gen müssen: Was sind die Fol­gen für mein Land? Aber auch: Was sind die Fol­gen für mein Nach­bar­land oder ein Land, das Hun­dert­tausende von Kilo­me­tern ent­fer­nt liegt?“
— Annale­na Baer­bock ver­mißt die Welt neu — 

„Man muss nicht dauernd duschen. Auch der Waschlap­pen ist eine brauch­bare Erfindung.“
— Baden-Würt­tem­bergs Min­is­ter­präsi­dent Win­fried Kretschmann, Sam­stags­bad­er —

„Ich füh­le mich von Dir ganz schön verarscht.“
— Das jüng­ste Net­zkind bei der Zuteilung ihrer Eis­portion durch mich — 

Jahr der Erkenntnis

Das jüng­ste Net­zkind hat’s raus bekom­men. Es gibt keinen Wei­h­nachts­mann und auch kein Christkind. Schuld war der Zettel am Wei­h­nachts­geschenk. Von mir ange­bracht – natür­lich. Ich hat­te ob der Vielzahl der Geschenke an jedes ein Kärtchen gehängt, blöder­weise von mir und nicht der Gruß­formel der Sym­bol­fig­ur des Weihnachtsfestes. 

Das wurde gele­sen. Im Kopf des Net­zkindes rat­terte es anschaulich, als sie den Wei­h­nacht­san­hänger las. Unver­mei­dlich war dann die Frage nach dem Absender des Wei­h­nachtspakets; Viele Grüße dein Christkind stand jeden­falls nicht drauf. Da das jüng­ste Net­zkind über eine her­vor­ra­gende Kom­bi­na­tion­s­gabe ver­fügt, war ihr schnell klar, dass die Erwach­se­nengeschicht­en zu Wei­h­nacht­en so wohl nicht stim­men konnten. 

Mrs. L warf mir einen ver­nich­t­en­den Blick zu und ver­bat sich eine Grund­satzdiskus­sion über begren­ztes men­schlich­es Wis­sen und die The­o­rien des Agnostizismus. 

Der Ver­such der Erzäh­lung mein­er­seits, dass Christkind ganz gut zu ken­nen, weshalb es auf sein­er weit­en Tour bei mir regelmäßig vor­beis­chaue, mir fro­he Wei­h­nacht­en wün­sche und – wenn es schon mal da ist, mich am Post­be­trieb zu beteili­gen, ging insofern in die Hose, da das Net­zkind meine Argu­men­ta­tions­kette mit der sim­plen rhetorische Frage: „Ach und da kommt das Christkind aus­gerech­net zu dir?“, zunichte machte.

Gewiss kann man sich nur der eige­nen Exis­tenz sein, wusste bere­its der franzö­sis­che Philosoph Rene Descartes im 17. Jahrhundert.

Und schließlich – wer lesen kann, soll Erken­nt­nis gewin­nen, oder?

Vom Weihnachtsfestessen

Im 19. Jahrhun­dert legte man sehr viel Wert auf die Etikette. Der Schrift­steller Julius Stet­ten­heim nahm das zum Anlass, im Jahre 1899 eine Ben­imm Fibel für gesellschaftliche Anlässe zu ver­fassen. Unter anderem gab er in seinem »Leit­faden durch das Jahr und die Gesellschaft«, Tipps für die Gefahren, in die man beim Aben­dessen ger­at­en kann.

»Über den Umgang mit der Servi­ette möchte ich einige Zeilen sagen. Zu erschöpfen wird dieser Gegen­stand nicht sein. Ich finde, daß die Servi­ette, obwohl sie so etwas von ein­er Fahne der Kul­tur hat, eigentlich ste­hen geblieben ist und heute noch wie vor hun­dert Jahren die Speisenden mehr ärg­ert, als ihnen dient. Wer sie nicht zwis­chen Hals und Binde steckt, oder gar so befes­tigt, daß sie als Brustschürze dient, – bei­des trägt nicht zur Hebung der men­schlichen Erschei­n­ung bei – wird die Bemerkung machen, daß sie häu­figer den Fuß­bo­den als den Schoß bedeckt. Stets strebt sie, her­abz­u­fall­en, und man kön­nte deshalb von ein­er Nieder­tra­cht der Servi­ette sprechen.

Der Gast wird natür­lich immer wieder dies eben­so nüt­zliche als untreue Wäschestück einz­u­fan­gen suchen und zu diesem Zweck sich seufzend bück­en und die Hand unter die Tis­chdecke ver­schwinden lassen müssen. Dieser ein­fache, harm­lose und dem Reinen abso­lut reine Vor­gang wird aber häu­fig mißdeutet, und es ist daher nötig, daß der tauchende Gast seine Tis­chnach­barin genau abzuschätzen tra­chtet, bevor er der abgestürzten Servi­ette nachjagt. 

Denn es giebt Damen, welche diese Bewe­gung ihres Tis­chnach­bars mißdeuten und einen Schrei des Entset­zens ausstoßen, so daß sich Män­ner in der Nähe find­en, welche bere­it scheinen, die gar nicht gefährdete Ehre der Schreien­den ener­gisch zu schützen.« 

Julius Stet­ten­heim — Der mod­erne Kinigge 1899

Kochambitionen

„Was ist eigentlich Waller?“, fragte ich einige Zeit nach der Bestel­lung ebendieses Menüs in die Runde. „Das ist Wels“, werde ich ob mein­er offenkundi­gen Unken­nt­nis milde lächel­nd von meinem Gegenüber am Restau­rant-Tisch belehrt. Uuuh, denke ich noch so bei mir, die Rat­te der Sauer­län­der Seen­land­schaft. Aber es war zu spät, der Kell­ner brachte bere­its den Salat und kurze Zeit später Teile des Schlam­m­gründler ordentlich filetiert direkt in han­dlichen Mund­häp­pchen auf dem, wie mir schien, etwas zu groß ger­ate­nen Teller. 

Beim Geschmack war ich allerd­ings pos­i­tiv über­rascht. Das Fleisch schmeck­te so gar nicht nach Fisch, eher nach Kalb. Der Wels ist außer­dem tat­säch­lich ein beliebter Speise­fisch. Man lernt doch nie aus. 

Ange­s­pornt durch so viel Kreativ­ität wollte ich am nach­fol­gen­den Woch­enende nicht abseitsste­hen und bere­it­ete ganz mutig einen Auflauf nach Groß­mut­ter Art. Nicht mein­er, son­dern die des WDR-Fernsehkochs Björn Freitag. 

Tat­säch­lich schienen die Schichtkreatio­nen der, mit Käse über­back­e­nen Kartof­fel­stampfe, Sauer­kraut, Blu­menkohl, Por­ree und eine leichte Béchamel­sauce, nicht direkt das von mir erhoffte Geschmacks­feuer­w­erk bei mein­er Fam­i­lie zu entfachen. 

Mrs. L jeden­falls kom­men­tierte den Auflauf nach Rezept aus dem Hause des Fernsehkochs mit dem Hinweis:„Sehr interessant.“ 

Winter eiskalt


Für den Sauer­län­der sind Tem­per­a­turen im Minus­bere­ich win­tertags nichts Ungewöhn­lich­es, aber Tem­per­a­turen von ‑10 und ‑15 Grad nachts erwarten wir hier eigentlich erst im Jan­u­ar oder Feb­ru­ar. Mitte Dezem­ber sind hier in der Gegend Tem­per­a­turen um den Gefrier­punkt nor­mal. Und ja, es ist so kalt wie’s aussieht. 

Der Vater der Reichsbürger

Der Mari­ne­of­fizier Karl von Dönitz war ein­er der eng­sten Ver­traut­en Adolf Hitlers und wurde von ihm tes­ta­men­tarisch im Jahre 1945 zum Reich­spräsi­den­ten bes­timmt. Am 01. Mai 1945, sieben Tage vor der bedin­gungslosen Kapit­u­la­tion und dem Sieg der Alli­ierten verkün­dete von Dönitz in ein­er Ansprache an das deutsche Volk sein Amt als ‚Nach­folge des „Führers“ mit der Behaup­tung, Hitler sei „in seinem Befehls­stand in der Reich­skan­zlei bis zum let­zten Atemzuge gegen den Bolschewis­mus kämpfend für Deutsch­land gefall­en“. [Quelle: wikipedia.org]

Karl von Dönitz wurde 1945 als Angeklagter der Nürn­berg­er Prozesse zu zehn Jahren Haft verurteilt und war bis 1956 inhaftiert. Das Amt des Reich­spräsi­den­ten war Karl von Dönitz offen­sichtlich nach­haltig zu Kopf gestiegen, denn im Jahre 1975 ver­fasste der stramme Nazi sein „poli­tis­ches Tes­ta­ment“, in dem er „Inhalt und Auf­gabe“ seines Amtes dem jew­eili­gen Bun­de­spräsi­den­ten übertrug. Von Dönitz starb 1980. Die absur­den Vorstellen des let­zten Ober­haupts der Naz­izeit wirken offen­sichtlich bis heute nach.

Bremen besichtigen

Mrs. L und ich sind ja große Fans von Städte­touren. In der let­zten Woche ging es nach Bre­men – und welch‘ Zufall – es war auch noch ger­ade Wei­h­nachts­markt. Das alleine war schon mächtig imposant, denn die Stadt schien von Beleuch­tungszurück­hal­tung wenig zu hal­ten. Ich denke aber auch, das liegt vielle­icht daran, dass Bre­men nicht eben arm ist. Jeden­falls hat­ten Mrs. L und ich uns auf die ver­schiede­nen Sehenswürdigkeit­en konzen­tri­ert, der Wei­h­nachts­markt war dann noch die Beiga­be oben­drauf sozusagen.

Gese­hen haben muss man auf jeden Fall das Schnoor-Vier­tel, das prak­tisch unverän­dert seit dem 15. Jahrhun­dert Krieg und Abris­s­plä­nen zum Trotz inmit­ten der Alt­stadt Bre­mens beste­ht. Viele inter­es­sante Läd­chen haben sich hier in den engen Gän­gen des Vier­tels unter wun­der­schö­nen restau­ri­erten Häusern ange­siedelt. Ein weit­eres High­light ist die Böttch­er­straße, die Anfang des 20. Jahrhun­derts erbaut, mit Back­steinar­chitek­tur und zahlre­ichen Kul­tur­denkmälern eine weit­ere Touris­te­nat­trak­tion darstellt. 

Ein­gangs­geschäft zum Schnoor-Viertel

Von den zahlre­ichen Museen in Bre­men ist das Uni­ver­sum zu empfehlen. In die The­men­bere­iche Men­sch, Natur und Tech­nik unterteilte Exponate laden die Besuch­er zum Mit­machen und Erleben ein. In beson­der­er Weise ist mir ein Erd­beben­raum in Erin­nerung geblieben. 

Ein als Wohnz­im­mer aufgemacht­es Gebäude, wo der Besuch­er auf dem Sofa sitzend ver­schiedene Stärken eines simulierten Erd­bebens miter­leben kann. Der schiefe Raum, als Küche aufge­baut, ließ mich insofern erstaunt zurück, als das ich an der Wand ent­lang­hangel­nd schwindelig den Aus­gang gesucht habe. Optis­che Täuschun­gen, physikalis­che Exper­i­mente und Sim­u­la­tio­nen lassen jeden­falls keine Langeweile aufkommen.