Übung macht den Schreiber

Man schreibe täglich Anek­doten nieder, bis man es lernt, ihre präg­nan­teste, wirkungsvoll­ste Form zu find­en; man sei uner­müdlich im Sam­meln und Aus­malen men­schlich­er Typen und Charak­tere; man erzäh­le vor allem, so oft es möglich ist, und höre erzählen, mit schar­fem Auge und Ohr für die Wirkung auf die anderen Anwe­senden; man reise wie ein Land­schafts­maler und Kostümze­ich­n­er; man exz­er­piere sich aus einzel­nen Wis­senschaften alles das, was kün­st­lerische Wirkung macht, wenn es gut dargestellt wird; man denke endlich über die Motive der men­schlichen Hand­lun­gen nach, ver­schmähe keinen Fin­gerzeig der Belehrung hierüber und sei ein Samm­ler von der­gle­ichen Din­gen bei Tag und Nacht. In dieser man­nig­fachen Übung lasse man einige zehn Jahre vorüberge­hen: Was dann aber ich der Werk­stätte geschaf­fen wird, darf hin­aus in das Licht der Straße.
Quelle: Niet­zsche, “Men­schlich­es, Allzumenschliches.”

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