Alte Autos

Noch vor zwanzig Jahren war eines unum­stößlich: Das Auto mit dem Stern hat­te ein Min­desthalt­barkeits­da­tum, das der Dauer des Dreißigjähri­gen Krieges gle­ich kam. Meine Berech­nun­gen jeden­falls, mit einem alten Daim­ler so kostengün­stig wie möglich mobil unter­wegs zu sein, gin­gen bish­er immer auf. 

Die auto­mo­bile Rech­nung mit Hil­fe eines Benz hieß: zehn Jahre alt — Brem­sen neu gemacht — neue Reifen drauf und schon lief die Kiste die näch­sten acht Jahre ohne großes Mur­ren. Danach gab’s noch 3000 Mark Rest­wert und man hat­te ein Auto mit einem Wertver­lust von nicht mal 1000 Mark jährlich gefahren. 

Die Zeit­en der Unka­put­tbarkeit sind vor­bei – die Berech­nun­gen funk­tion­ieren nicht nur nicht – die Umset­zung mein­er jahre­lan­gen Strate­gie ist heute schlichtweg der schnell­ste Weg in den finanziellen Ruin. 

„Viele Autos wer­den mit Halt­barkeit nicht länger als acht Jahre gebaut, da macht der mit dem Stern keine Aus­nahme. Die sind so teuer, die kauft kein­er mehr als Neuwa­gen, wer­den nur noch geleast und nach vier Jahren wieder abgegeben “, klärt mich mein Auto­mechaniker auf, mit dem ich inzwis­chen ob der vie­len Besuche per Du bin. 

Ein Geschäftsmod­ell, das die Ware so teuer macht, dass sie unbezahlbar wird, deshalb nur noch gemietet wird und da sie nur ein paar Jahre gemietet wird, mit ein­er Lebens­dauer von weni­gen Jahren? Klingt nach ein­er Geld­druck­mas­chine und ist es wohl auch. Ähn­lich­es kan­nte ich bish­er nur von Soft­ware, respek­tive von Photoshop.

Für mein Bud­get bleibt also nur die Suche nach einem neuen Mod­ell der preiswerten Mobil­ität, ohne einen Kle­inst­wa­gen fahren zu müssen. 

Der Lada Niva kommt dem ziem­lich nah. Die Tech­nikredak­teure, die den Lada gefahren sind, schreiben allerd­ings von „viel Humor mit­brin­gen“ und ein Leer­lauf, der sich anhört, „als würde der Lada Niva mit ros­ti­gen Schrauben gurgeln.“

Der Ben­z­in­ver­brauch ver­läuft diame­tral zur Motor­leis­tung; tat­säch­lich scheint die Nutzung des 70er Jahre Fos­sils auf das nach Hause brin­gen erlegter Elche in der Taiga beschränkt. 

Immer­hin, hin­sichtlich dieser Bes­tim­mung lässt sich das Auto offen­sichtlich auch von innen mit einem Dampf­s­trahler reini­gen, was meinem per­sön­lichen Prag­ma­tismus dur­chaus nahe kommt. 

Ein wenig Zeit bleibt mir vielle­icht: mein Auto hat ger­ade die Werk­statt ver­lassen. Die Aufzäh­lung der notwendi­gen Repara­turen auf der Rech­nung erstreck­te sich über vier Seiten. 

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