Die Leiden des Innenministers

Bun­desin­nen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière regt auf der Inter­net­seite des Bun­desin­nen­min­is­teri­ums die Debat­te um eine Leitkul­tur der Deutschen an.

Wenn man die The­sen liest, kön­nte man dur­chaus den Ver­gle­ich mit dem Groß­vater ziehen, der seine ver­staubte Ansicht auch immer zum All­ge­meingut erk­lärt haben wollte. Das was uns sein­er Ansicht nach aus­macht und zusam­men­hält ist vielle­icht in den antiquierten Vorstel­lun­gen eines de Maiz­ières zu Hause, ganz sich­er gel­ten seine The­sen aber nicht für alle Mitbürger.

Ent­ge­gen der Mei­n­ung des Innen­min­is­ters, ist es für viele Deutsche wichtiger, in einem tol­er­an­ten, offe­nen und lib­eralen Land zu leben; fern patri­o­tis­ch­er Musikan­ten­stadl, die der Innen­min­is­ter in seinem Pam­phlet der Bevölkerung als Kul­turgut andicht­en möchte. 

Sich­er, es gibt mehr als schwarz und weiß und Tol­er­anz gilt selb­stver­ständlich auch den Fre­un­den von Volks­festen und Karnevalsver­anstal­tun­gen. Und auch die dür­fen, wie der Innen­min­is­ter, offen dazu ste­hen, Lebensweisen ander­er Men­schen nicht gel­ten lassen zu wollen. (“Wir sind nicht Bur­ka”, was auch immer das heißt.) 

Das alles ist aber auch nur möglich, weil ein Großteil der Bevölkerung sich über die frei­heitlichen Werte unseres Lan­des definiert und nicht über die teil­weise antiquierten Ansicht­en ihres Innenministers. 

Der Bun­des­bürg­er wird sich nicht vorschreiben lassen, nach welch­er Leitkul­tur zu leben oder zu denken ist. Wir sind nicht Hump­ta­ta! Jeden­falls nicht alle. Aber wer seine Kul­tur aus welchen Grün­den auch immer über „Karneval, Volks­feste und die heimatliche Ver­wurzelung, [..]“ definiert, darf das gerne tun, nur muss dem Rest der Bevölkerung eine andere Art des Leit­bildes zuge­s­tanden werden.

Respek­tieren muss man in einem freien Land selb­stver­ständlich auch einen Innen­min­is­ter, der seine mit ser­iösem Anstrich verse­hene, teil­weise anachro­nis­tisch anmu­tende Weltan­schau­ung inmit­ten des Wahlkampfs platziert. 

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