App gegen Corona – eine gute Idee?

Die Zahl der Infizierten mit dem Coro­na-Virus ken­nt nur einen Weg – nach oben. Jeden Tag neue Hor­rorzahlen und damit auch die Gefahr, vol­lends die Kon­trolle über die Rück­ver­fol­gbarkeit der Infizierten zu ver­lieren. Schon wer­den von allen Seit­en Stim­men nach ein­er App laut, die das Track­ingver­hal­ten der Nutzer aufze­ich­net. Man erhofft sich so eine Rück­ver­fol­gbarkeit und eventuellen Kon­tak­ten der mit dem Coro­na-Virus infizierten Handy-Nutzer. Der Daten­schutz müsse an dieser Stelle zurück­treten, so die Meinung. 

Armin Laschet ver­stieg sich gar in der Talk­show “Anne Will” am ver­gan­genem Son­ntag zu der Aus­sage, man müsse die „Track­ing-App muss man aus ide­ol­o­gis­chem Stre­it um den Daten­schutz her­aus­holen“. Abge­se­hen davon, dass Daten­schutz kein ide­l­o­gis­ch­er Stre­it, son­dern ein Grun­drecht ist, sind die Argu­mente des Min­is­ter­präsi­den­ten und der­er, die dem Daten­schutz von jeher wenig abrin­gen kön­nen, ein­fach nur Unsinn. 

Es braucht schlichtweg keinen Daten­schutz und keine Daten­schutz­grund­verord­nung, wenn diese in beson­deren Sit­u­a­tio­nen immer wieder außer Kraft geset­zt wer­den kann. 

Denn- wo fängt das an und wo hört das auf? Wird der Daten­schutz an dieser Stelle mit der Begrün­dung der Sicher­heit der Bürg­erin­nen und Bürg­er außer Kraft geset­zt, wer­den sich sehr schnell, auch nach der Pan­demie, Gründe find­en lassen die ein berechtigtes Inter­esse an der Außerkraft­set­zung finden. 

Weit über die Ver­let­zung der Daten­schutzrechte des einzel­nen dürfte die Tech­nik dem Ruf nach ein­er Track­ing App die Sinnlosigkeit min­destens in den vie­len ländlichen Gebi­eten in Deutsch­land vor Augen führen. Die Ortung und damit die Rück­ver­fol­gung des Bewe­gung­spro­fils ist zwar in den let­zten Jahren genauer gewor­den, eine ziel­ge­naue und somit “ansteck­ungsrel­e­vante” Posion­sor­tung ist jedoch kaum möglich. 

Für den Ein­satz ein­er Track­ing App zur Ver­fol­gung des Bewe­gung­spro­fils ist in einem Bere­ich von ca. 300 Metern genau und das natür­lich auch nur, wenn GPS auf dem Handy eingeschal­tet ist. Zudem funk­tion­iert die die satel­liten­basierte GPS Ortung mehr schlecht als recht in Räu­men – also genau da wo eine Rück­ver­fol­gbarkeit auf­grund von Ansteck­ung Sinn machen würde. 

Die zweite Möglichkeit ist die Funko­r­tung über die Sende­mas­ten, die allerd­ings in ländlichen Gebi­eten so unge­nau ist, dass sie für diesen Zweck völ­lig unbrauch­bar ist. 

Für eine Nachver­fol­gung von Bewe­gung­spro­filen muss zudem gewährleis­tet sein, dass möglichst jed­er Han­dynutzer die tech­nis­chen Voraus­set­zun­gen für das Ver­fol­gen seines Bewe­gung­spro­fils zulässt. 

Beim Blick auf Chi­na kann es einem Daten­schützer jeden­falls nur grausen. Die Chi­ne­sen haben das Überwachen ihrer Bürg­er mit dem Argu­ment der Pan­demie perfektioniert. 

Die „Gesund­heits-App“ die dort zum Ein­satz kommt spe­ichert per QR-Code neben den per­sön­lichen Dat­en Kon­tak­t­punk­te der Orte, die der Smart­phone Besitzer auf­sucht. Ohne diese App und die Bere­itschaft per QR-Code seine infor­ma­tionelle Selb­st­bes­tim­mung über Bord zu wer­fen, ist der Zutritt zu Super­märk­ten, Restau­rants und Ein­rich­tun­gen des öffentlichen Lebens untersagt. 

Schöne neue Welt. 

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