Kirmeszeit

Seit Jahren sind Mrs. L und ich schon nicht mehr auf ein­er Kirmes gewe­sen, bis gestern. Mrs. L bestand auf einem Besuch der Lipp­städter Herb­stkirmes. Vor­sor­glich wies ich Mrs. L darauf hin, dass die Bewe­gun­gen hydraulik­be­trieben­er Kirmes­maschi­nen und eine begin­nende Auflö­sung struk­tureller, ehe­dem geord­neter Struk­turen in eine amor­phe Masse, die der Kör­p­er ana­log zum Alter so mit sich bringt, nicht zusammenpassen. 

Mrs. L glaubte mich mit den Worten: „Wir wer­den schon was find­en, wo Du lebend wieder rauskommst“ beruhi­gen zu kön­nen. Weit gefehlt. 

Auf dem Kirme­s­platz angekom­men, steuerte ich ziel­stre­big, Mrs. L an der Hand, das mir am ver­trauensvoll erscheinende Karusell an. Indes, beim Näherkom­men ent­pup­pte sich das Ding nur für die Allerkle­in­sten; ein Schild am Ein­gang wies auch ein­drück­lich darauf hin: Nur für Kinder bis zum 6. Lebensjahr. 

Mrs. L hinge­gen schien sichtlich begeis­tert, wohl weniger ob der Karusel­lvielfalt, als der Tat­sache, dass ich immer nervös­er die Karusell­maschi­nen begutachtete, die offen­sichtlich dazu gedacht waren alte Leute dauer­haft zu ver­biegen und die Ein­nah­me­quelle sämtlich­er ansäs­siger Orthopä­den im Umkreis waren. 

Schon Hegel wusste, dass die Ver­nun­ft die Welt beherrscht. In unserem Fall in Form ein­er Chinabude, die köstliche Nudel­gerichte zu kleinen Preisen anbot und der Ein­sicht, zugun­sten eines Essens auf andere Kirme­sak­tiv­itäten zu verzichten. 

1 Comment Kirmeszeit

  1. Dr. Nerd

    um sich in userem Alter einen dauer­haften Wirbel­säu­len­schaden zu zuziehen, braucht man nicht mal das Risiko eines Fahrgeschäfts einzuge­hen. Auf über­füll­ten Mark­t­plätzen ist auch das Coro­na-Virus immer ein gern gese­hen­er Gast.
    Ich beispiel­sweise nutze für das überdehnen und zusam­men­quetschen der Wirbel­säule gerne die Busse der Dort­munder Stadtwerke. Der beste Platz um bei den zahlre­ichen Schlaglöch­ern seine Wirbel­säule zu schrot­ten ist der Sitz direkt über dem Rad­kas­ten. Das Gefühl der Schw­erelosigkeit, wenn man bei einem Sturz des Busses in eines der Mar­i­an­nen­graben ähn­lichen Löch­ern aus seinem Sitz gehoben wird und man nach einem kurzen Flug wieder in den Sitz knallt — das schaf­fen nur Fahrgäste vom Schlag eines Ram­bos: “SCHMERZ IST NUR EINE ILLUSION!”
    In diesem Sinne — bleib gesund und mei­de Massen­be­förderungsmit­tel — selb­st wenn es sich nur um ein Ket­tenkarus­sell handelt..

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