Umzug zu Mastodon

Ist es wich­tig bei Twitter, Instagram und Co zu sein? Nein ist es nicht, aber manch­mal ganz wit­zig. Mal davon abge­se­hen, dass uns daten­schutz­tech­nisch auf den Sozialen Netzwerken die Hosen aus­ge­zo­gen wer­den, erstreckt sich aller­ding der der Mehrwert ansons­ten doch eher auf eine Handvoll lesens­wer­ter Beiträge. 

Nachdem sich nun Twitters neu­er Chef Elon Musk auf­führt wie Rumpelstilzchen auf Speed, habe ich mich ent­schlos­sen nach Mastodon zu wech­seln — Open Source und Werbefrei. 

Wahr und Unwahr

Wahr ist, dass die CDU hef­ti­ge Kritik am neu­en Bürgergeld übt, weil die Christdemokraten der Auffassung sind, mit den gewähr­ten 500 Euro monat­lich gäbe es kei­nen Anreiz mehr, sich eine Arbeit zu suchen.

Unwahr ist, dass alle vom Bürger durch Steuern ali­men­tier­ten poli­ti­schen Ruheständler unter 65 Jahren ab sofort auf ihre Gelder ver­zich­ten, um sich einen Job zu suchen.

Wahr ist, dass mili­tan­te Klimaschützer auch vor der Inkaufnahme der Zerstörung von Kunstwerken nicht halt machen.

Unwahr ist, dass die sich ange­kleb­ten Klimaaktivisten als Strafe in der Zeit der Reparatur der Kunstwerke am Ort des Frevels fest­ge­klebt blei­ben sol­len, um als Ersatzkunstwerk zu dienen.

Wahr ist, dass die Grünen die beweg­lichs­ten Wendehälse im poli­ti­schen System der Bundesrepublik sind und das die Partei ins­be­son­de­re in Fragen des Militarismus eine erstaun­li­che Wandlungsfähigkeit besitzen.

Wahr ist auch, dass das in den USA wohl­wol­lend gese­hen wird.

Unwahr ist, dass die neu ent­deck­te Kriegsverherrlichung der Grünen zukünf­tig mit lus­ti­gen Videos beglei­tet wer­den soll und als Reminiszenz an alte Zeiten der eins­ti­gen Friedenspartei in den Gewehrläufen bei Nichtnutzung Gänseblümchen ste­cken sollen. 

Kirmeszeit

Seit Jahren sind Mrs. L und ich schon nicht mehr auf einer Kirmes gewe­sen, bis ges­tern. Mrs. L bestand auf einem Besuch der Lippstädter Herbstkirmes. Vorsorglich wies ich Mrs. L dar­auf hin, dass die Bewegungen hydrau­lik­be­trie­be­ner Kirmesmaschinen und eine begin­nen­de Auflösung struk­tu­rel­ler, ehe­dem geord­ne­ter Strukturen in eine amor­phe Masse, die der Körper ana­log zum Alter so mit sich bringt, nicht zusammenpassen. 

Mrs. L glaub­te mich mit den Worten: »Wir wer­den schon was fin­den, wo Du lebend wie­der raus­kommst« beru­hi­gen zu kön­nen. Weit gefehlt. 

Auf dem Kirmesplatz ange­kom­men, steu­er­te ich ziel­stre­big, Mrs. L an der Hand, das mir am ver­trau­ens­voll erschei­nen­de Karusell an. Indes, beim Näherkommen ent­pupp­te sich das Ding nur für die Allerkleinsten; ein Schild am Eingang wies auch ein­drück­lich dar­auf hin: Nur für Kinder bis zum 6. Lebensjahr. 

Mrs. L hin­ge­gen schien sicht­lich begeis­tert, wohl weni­ger ob der Karusellvielfalt, als der Tatsache, dass ich immer ner­vö­ser die Karusellmaschinen begut­ach­te­te, die offen­sicht­lich dazu gedacht waren alte Leute dau­er­haft zu ver­bie­gen und die Einnahmequelle sämt­li­cher ansäs­si­ger Orthopäden im Umkreis waren. 

Schon Hegel wuss­te, dass die Vernunft die Welt beherrscht. In unse­rem Fall in Form einer Chinabude, die köst­li­che Nudelgerichte zu klei­nen Preisen anbot und der Einsicht, zuguns­ten eines Essens auf ande­re Kirmesaktivitäten zu verzichten. 

Die Deindustrialisierung der Bundesrepublik

»Wenn ein Kolonialwarenhändler in sei­nem klei­nen Laden so vie­le Dummheiten und Fehler mach­te wie die Staatsmänner und Generäle in ihren gro­ßen Ländern, wäre er in spä­tes­tens vier Wochen bank­rott.« [Erich Kästner]



Der Wähler ist lei­der ein ver­gess­li­ches Wesen und das weiß bei­spiels­wei­se der Oppositionsführer der CDU, Friedrich Merz, natür­lich auch. So for­der­te Merz im Frühling 2022 rus­si­sche Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 sofort zu stop­pen. Eine Einschränkung der Gasversorgung müs­se man akzep­tie­ren, schwa­dro­nier­te der selbst­er­nann­te Wirtschaftsexperte laut­hals. Merz war nicht der ein­zi­ge Politiker, der durch die­se Fehleinschätzung die Bundesrepublik einer Rezession näher gebracht hat. 

Parteifreund Röttgen »appel­lier­te« zur glei­chen Zeit eben­falls an die Bundesregierung, die Gas- und Ölimporte aus Russland »jetzt« zu stop­pen. Es sei mög­lich, die aus­blei­ben­den Gaslieferungen durch Gasvorräte bis zum nächs­ten Winter zu erset­zen. Auch die FDP, sonst Liebling der Wirtschaftsbosse for­der­te einen sofor­ti­gen Gasstopp aus Russland. Allen vor­an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die sei­ner­zeit die Drohung des rus­si­schen Präsidenten zur Abschaltung von Nord-Stream 1 gar als Verzweiflungstat auf­grund der Auswirkungen in sei­nem Land inter­pre­tier­te.

Die Liste der Fehlannahmen von Politikern könn­te noch sei­ten­wei­se wei­ter­ge­führt wer­den. Aber natür­lich kann man nicht ein­zel­nen Politikern die Schuld für die gro­ßen wirt­schaft­li­chen Verwerfungen geben, wohl aber muss eine gewis­se Weitsicht denen zu eigen sein, die über Wohl und Wehe eines gan­zen Staates bestim­men oder doch zumin­dest mitbestimmen. 

Politiker brau­chen kei­ne beson­de­ren Befähigungen, um ihr Amt aus­zu­füh­ren. Aber wer dazu bei­trägt mit uner­träg­li­chem Geschwätz Politik mit­ver­ant­wort­lich so zu gestal­ten, dass den Bürgerinnen und Bürgern in ihren Auswirkungen gro­ßen Schaden zufügt wird, der soll­te zurücktreten. 

Oftmals jedoch wer­den poli­ti­sche Rücktritte aus­ge­rech­net von den Politikern gefor­dert, die sich im Nachhinein in ihrer Aussage als treff­si­cher bewie­sen. Rücktrittsforderungen von Wirtschaftsminister Habeck, weil der viel­leicht etwas unglück­lich einen zeit­wei­sen Produktionsstillstand rich­ti­ger­wei­se nicht mit einer Insolvenz gleich­setzt, zeu­gen nicht nur Charakterverfehlungen son­dern erheb­li­chen Wissenslücken in Wirtschaftsfragen, die der Wähler bei der nächs­ten Wahl ent­spre­chend wür­di­gen sollte. 

Tatsächlich war es Wirtschaftsminister Habeck, der in dem Monat der sich über­bie­ten­den Rufe nach einem sofor­ti­gen Stopp der Gasimporte bereits im März vor schwers­ten wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Folgen für die Bundesrepublik warn­te.

Ach und falls es noch nicht ganz so bekannt ist, was die Befürworter von »Stoppt die Gasimporte sofort« und dem dann tat­säch­li­chen Importstopp durch Putin erreicht haben, sei ein Blick in die­se Liste emp­foh­len.