Kann Merz Kanzler?

Fried­rich Merz kommt aus dem Sau­er­land und hier sind wir nicht gera­de dafür bekannt, mit der Mei­nung hin­ter dem Berg zu hal­ten. Er kommt aus einer vor­neh­men Sau­er­län­der-Fami­lie in Bri­lon, das hält ihn aber nicht davon ab, sich unsach­lich zu äußern. Wer erin­nert sich nicht an den berühm­ten Bier­de­ckel, wonach angeb­lich bei einer drei­stu­fi­gen Ein­kom­mens­steu­er die gesam­te Steu­er­erklä­rung pas­sen würde. 

Merz ist ehr­gei­zig und hat unbe­strit­ten Rede­ta­lent, aber er neigt zu nicht durch­dach­ten Aus­sa­gen. Die Äuße­run­gen über Zahn­arzt­be­hand­lung für abge­lehn­te Asyl­be­wer­ber gehört dazu und es ist nicht sei­ne ers­te Pole­mik. Ob die Anbie­de­rung an AFD-Paro­len eine Tak­tik zugrun­de liegt, mit den Äuße­run­gen mög­li­che AFD-Sym­pa­thi­san­ten zur CDU zu bewe­gen, ist fraglich. 

Eher darf ver­mu­tet wer­den, dass der ange­hen­de Kanz­ler­kan­di­dat der CDU unüber­legt han­delt. Mit sei­nen Ver­bal­ent­glei­sun­gen rela­ti­viert Merz letzt­end­lich nur die Poli­tik der Rechts­po­pu­lis­ten; die letz­ten Vor­be­hal­te gegen die AFD könn­ten somit fal­len, ent­we­der beim Wäh­ler oder beim rech­ten Flü­gel der CDU. Die könn­ten sich auf­grund der Äuße­run­gen bestä­tigt füh­len, mit der AFD zusammenzuarbeiten.

Und – er scha­det sich mas­siv sel­ber. Als Kanz­ler­kan­di­dat muss er sich im Griff haben; ein Bun­des­kanz­ler, der Min­der­hei­ten oder Grup­pen stig­ma­ti­siert, ist genau­so fehl am Platz, wie eine Außen­mi­nis­te­rin, die sich stän­dig ver­plap­pert.

Die CDU soll­te sich über­le­gen, ob sie mit einem Kanz­ler­kan­di­da­ten antritt, der mit sei­nen Ent­glei­sun­gen die Gefahr befeu­ert, eine Par­tei zu stär­ken, die der Idee des Völ­ki­schen Natio­na­lis­mus ziem­lich nahe steht. 

Stausee Esmecke

Im Sau­er­land gibt es neben den gro­ßen Seen den ein oder ande­ren Stau­see wie den klei­nen Esme­cker Stau­see in Wen­holt­hau­sen. Hier ver­brach­ten wir in der wil­den Jugend­zeit zel­tend nicht weni­ge Wochen­en­den. Noch heu­te füh­ren uns sonn­täg­li­che Motor­rad­tou­ren manch­mal hier­her. An der Sta­ti­on am See, einem klei­nen Cafe oben am See, lässt sich gut Rast machen. Heut­zu­ta­ge aber eher bei Kuchen und Kaf­fee, statt bei Bier und Würstchen;-) 

Riester Rente — Ein Erfolg für Versicherungen

Als im Jahr 2004 die soge­nann­te Ren­ten­re­form unter der Regie­rung von SPD und Grü­nen ein­ge­führt wur­de, war das die größ­te Ren­ten­kür­zung in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik. Es mach­te Ver­si­che­run­gen reich und Rent­ner arm. Der Finanz­jon­gleur Cars­ten Maschmey­er sprach damals von einem „Wachs­tums­markt über Jahr­zehn­te“ und „dem größ­ten Boom, den sie je erleb­te“ für die Finanzdienstleistungsbranche.

Maschmey­er hat­te bei sei­nem Kum­pel, dem dama­li­gen Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der der Ver­si­che­rungs­bran­che Erleich­te­run­gen in Bezug auf die Pro­vi­sio­nen durch­ge­setzt. Schrö­der nahm im Gegen­zug dan­kend 2 Mil­lio­nen Euro von Cars­ten Maschmey­er an, angeb­lich für die Rech­te an sei­ner Biographie.

Am 1. Janu­ar 2005 trat das Alters­ein­künf­te­ge­setz in Kraft, wodurch sechs von elf Kri­te­ri­en weg­fie­len die ein Finanz­pro­dukt erfül­len muss­te, um als Ries­ter-Ren­te staat­lich geför­dert zu wer­den. Das war der Big-Deal für die Ver­si­che­run­gen, die sich fort­an das Ver­trau­en der Anle­ger damit sicher­ten, eine staat­li­che geför­der­te Alters­vor­sor­ge anzubieten. 

Das Prin­zip der Ren­ten­re­form, beschö­ni­gend Alters­ein­künf­te­ge­setz genannt, fußt auf drei Säu­len: Zur gekürz­ten gesetz­li­chen Alters­vor­sor­ge soll­te eine betrieb­li­che und eine pri­va­te Alters­vor­sor­ge hinzukommen. 

Zwan­zig Jah­re spä­ter bewahr­hei­te­te sich das, wovor eini­ge Exper­ten gewarnt hat­ten. Die Alters­ar­mut nimmt rasant zu und der soge­nann­te „Mit­tel­schicht­bür­ger“ muss im Durch­schnitt mit einer Ren­te von unter 1500 Euro brut­to klar­kom­men, da sich die meis­ten abhän­gig Beschäf­tig­ten eine zusätz­li­che pri­va­te Vor­sor­ge nicht leis­ten konn­ten und können. 

Die­je­ni­gen, die sich das Stand­bein der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge in Form der Ries­ter-Ren­te leis­ten konn­ten, wur­den aller­dings auch arg getäuscht. 

Statt der erhoff­ten Zusatz­ren­te von ein paar Hun­dert Euro gab’s am Schluss meist nur ein paar Euro monat­li­chen Ries­ter-Zuschus­ses. Der Rest des ange­leg­ten Gel­des war schlicht­weg in den Taschen von Ban­ken und Ver­si­che­run­gen gelan­det. Ver­wal­tungs­kos­ten in Höhe von 30 Pro­zent der ein­ge­zahl­ten Gel­der waren bei der Ries­ter-Ren­te kei­ne Seltenheit.

Ver­si­che­run­gen, Vor­stän­de und Aktio­nä­re waren die gro­ßen Gewin­ner der Ries­ter-Ren­te, wäh­rend immer mehr Rent­ner, selbst wenn sie ein gan­zes Leben lang gear­bei­tet haben, sich in die lan­ge Schlan­ge der kos­ten­lo­sen Essen­aus­ga­be bei den Tafeln ein­rei­hen.

Cars­ten Maschmey­er wird der­weil mit einem geschätz­ten Ver­mö­gen von über 1 Mil­li­ar­de Euro als einer der reichs­ten Deut­schen geführt.

Bun­des­kanz­ler a.D. Ger­hard Schrö­der, der Sozi­al­de­mo­krat der das alles ermög­lich­te, wird dem­nächst für 60 Jah­re Mit­glied­schaft in der SPD geehrt.

30. internationale Montgolfiade

Nach drei Jah­ren des Coro­na beding­ten Aus­falls sind zum 30. Jubi­lä­um der Mont­gol­fia­de hier im Sau­er­land, genau­er in War­stein, bei gutem Wet­ter die Bal­lo­ne und eini­ge Son­der­for­men wie­der gestar­tet. Wir haben hier meis­tens Glück, da die Strö­mung min­des­tens ein-zwei­mal in den 10 Tagen so güns­tig ist, dass die Bal­lo­ne direkt vor unse­rer Haus­tür her­fah­ren. Da wir rund um Dre­wer eben­falls in die­ser Zeit über jede Men­ge abge­ern­te­ter Fel­der ver­fü­gen, lan­den vie­le Pilo­ten auch am Orts­rand. Für schö­ne Bal­lon­bil­der brau­che ich also meist nur auf den Bal­kon zu gehen. Heu­te ist übri­gens der letz­te Tag der Mont­gol­fia­de mit einem viel­fäl­ti­gem Pro­gramm, Par­ty, Feu­er­werk und Night-Glow eingeschlossen.

Wer sprengte Nord Stream?

Die Spren­gung von drei Strän­gen der Gas­pipe­line Nord Stream 1+2 im Sep­tem­ber 2022 ist wohl der bri­san­tes­te Anschlag auf eine Infra­struk­tur in der Bun­des­re­pu­blik. Vie­le Mut­ma­ßun­gen irr­ten und wirr­ten in den Medi­en zu der Fra­ge, wer für den Anschlag ver­ant­wort­lich ist. In den Fokus gerie­ten schnell Russ­land, die USA und zuletzt die Ukrai­ne, die, wie sie sich nun nach wei­te­ren Recher­chen zu bestä­ti­gen scheint, tat­säch­lich etwas mit der Spren­gung zu tun gehabt haben könnte. 

Obwohl der durch die Medi­en als Russ­land­ex­per­te her­um­ge­reich­te CDU-Abge­ord­ne­te Rode­rich Kie­se­wet­ter immer noch an eine per­fi­de Akti­on der Rus­sen glaubt, ist längst klar: Alle Wege füh­ren nicht nach Mos­kau, son­dern in die Ukrai­ne. Das jeden­falls ist das Ergeb­nis einer auf­wän­di­gen Recher­che des SPIEGEL, der zusam­men mit dem ZDF Nach­for­schun­gen vor Ort betrieb und in der aktu­el­len Aus­ga­be berichtet. 

Das Russ­land sei­ne eige­ne Pipe­line in die Luft gesprengt haben soll, glau­ben auch nur noch die vehe­men­tes­ten Russ­land­has­ser. FDP-Ver­tei­di­gungs­exper­tin Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann und CDU Mann Kie­se­wet­ter behar­ren wei­ter­hin auf der Theo­rie der Zer­stö­rung der Gas­pipe­line durch Russ­land. Aller­dings stellt sich schnell die Fra­ge, war­um Russ­land ein Inter­es­se an einer Zer­stö­rung haben soll­te, wo doch ein ein­fa­ches Abschie­bern der Lei­tung nach Deutsch­land für einen Gas­stopp sinn­vol­ler gewe­sen wäre? Wie­so soll­te sich Russ­land der Mög­lich­keit berau­ben, Deutsch­land mit der Lie­fe­rung, bzw. Nicht-Lie­fe­rung von Gas zu erpressen? 

Die zwei­te Theo­rie scheint eben­falls unglaub­wür­dig. Die USA als Atten­tä­ter, das kann getrost aus­ge­schlos­sen wer­den, für so etwas wür­den sich die Ame­ri­ka­ner wohl eher nicht die Hän­de schmut­zig machen und ihre Vor­herr­schaft und Sta­tus einer Welt­macht zu ris­kie­ren. Aller­dings soll der Aus­lands­ge­heim­dienst der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von dem Anschlag Kennt­nis gehabt haben. 

ZDF und ARD berich­te­ten im Som­mer 2022 von einer War­nung der CIA an Kiew, „die Sache abzublasen.“ 

Bereits im März die­ses Jah­res recher­chier­te die ARD zusam­men mit dem Maga­zin Kon­tras­te, dem Süd­deut­schen Rund­funk und der ZEIT im Umfeld der Geheim­ope­ra­ti­on. Als Ergeb­nis konn­te zwei­fels­frei das Boot iden­ti­fi­ziert wer­den, dass für den Anschlag genutzt wor­den ist. Das Boot sei von einer Fir­ma in Polen ange­mie­tet wor­den, den Ermitt­lun­gen zufol­ge sol­len sechs Per­so­nen betei­ligt gewe­sen sein. Für die Anmie­tung des Segel­boots wur­den gefälsch­te Iden­ti­tä­ten hinterlegt. 

Die Spu­ren aller Betei­lig­ten sind weit ver­streut, den­noch füh­ren sie nach Recher­che­er­geb­nis­sen wohl tat­säch­lich in die Ukrai­ne. Alle Infor­ma­tio­nen, die den Anschlag auf die kri­ti­sche Infra­struk­tur betref­fen, unter­lie­gen jeden­falls der höchs­ten Geheimhaltungsstufe.

Soll­te sich bewahr­hei­ten, dass ein ukrai­ni­sches Kom­man­do einen Anschlag auf einen Kern­be­reich Deutsch­lands ver­übt haben soll­te, könn­te das Ende der Waf­fen­lie­fe­rung an die Ukrai­ne noch das kleins­te Übel für Kiew sein. 

Update 12. November:
Inzwi­schen scheint sich der Ver­dacht zu erhär­ten, dass die Ukrai­ne den Anschlag ver­übt hat.

Brief zur Bundestagswahl 1957

Am 15. Sep­tem­ber 1957 fand die drit­te Wahl zum deut­schen Bun­des­tag statt. Die CDU konn­te sich die abso­lu­te Mehr­heit sichern. Die Wahl­wer­bung der CDU wur­de unter dem Mot­to: “Kei­ne Expe­ri­men­te” geführt. Bun­des­kanz­ler Ade­nau­er äußer­te auf dem CDU-Par­tei­tag, dass ein Sieg der Sozi­al­de­mo­kra­ten das Ende der Bun­des­re­pu­blik bedeu­ten wür­de. Im August des Jah­res wand­te sich Ade­nau­er in einem Brief an sei­ne Lands­leu­te. Auch in die­sem Brief warn­te Dr. Kon­rad Ade­nau­er aus­drück­lich vor dem poli­ti­schen Geg­ner und der kom­mu­nis­ti­schen Gefahr. Der Wahl­spruch wur­de bis in die sieb­zi­ger Jah­re von der CDU genutzt. Ade­nau­er beschwor in sei­nem Brief an die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, ihre Stim­me der CDU/CSU zu geben. 

Der gan­ze Brief als .pdf-Datei ist auf den Nach­Denk­Sei­ten zu fin­den.