Marodes

O.K, ab einem gewis­sen Alter treibt nicht nur die Pro­phy­la­xe den Men­schen zum Arzt, das scheint mir ähn­lich eines alten Autos in der Natur der Sache zu lie­gen, sämt­li­che Fach­ärz­te auf­su­chen zu müs­sen, um zumin­dest den Ver­such zu star­ten, wich­ti­ge Funk­tio­nen wie­der her­zu­stel­len, bzw. eini­ger­ma­ßen zu erhal­ten. In so fern sind mein Auto und ich eigent­lich eine Ein­heit. Das Auto zum TÜV, der Mensch zum Arzt. 

Wobei tem­po­rär tat­säch­lich der Ver­fall des Autos par­al­lel zum mensch­li­chen Ver­fall ein­her zu gehen scheint. Selbst die Dia­gno­se des Autos durch den Werks­meis­ter lie­ße sich pro­blem­los auf die mensch­li­che Mor­bi­di­tät anwen­den: „Tja, ist halt schon ein biss­chen älter, da müs­sen wir mal gucken, ob sich das noch lohnt.“

Der Werks­meis­ter aller­dings hat den Vor­teil, alle anste­hen­den Repa­ra­tu­ren sozu­sa­gen unter einem Dach erle­di­gen zu kön­nen. Ärz­te sind an der Stel­le nicht so fle­xi­bel und so ist es ange­ra­ten, sich Ter­mi­ne für die ver­schie­de­nen Fach­ärz­te frei zu halten. 

Für Ästhe­ten emp­fiehlt sich ein Besuch des Haut­arz­tes übri­gens nur im Winter.

Was im Som­mer dort an der­ma­to­lo­gi­schen Kurio­si­tä­ten offen zur Schau getra­gen wird, spot­tet jeder Beschrei­bung. Fuß­pilz­er­krank­te Pati­en­ten, mei­ner Mei­nung nach im End­sta­di­um, zumin­dest was die Füße angeht, ver­su­chen eine Lin­de­rung der Erkran­kung ent­we­der mit offe­nen San­da­len oder gleich mit Weg­las­sen des Schuh­wer­kes. Groß­flä­chi­ge Haut­ir­ri­ta­tio­nen in Form von Ekze­men oder Pil­zen wer­den näs­send, rot und schup­pend eben­so unge­niert zur Schau gestellt, wie das Zer­stö­rungs­werk horn­lie­ben­der Fadenpilze. 

Gut, dass wenigs­tens das Auto durch den TÜV ist. 

Abschied von der Haselnuss

Ob wohl dem WDR 4 die wer­be­re­le­van­te Ziel­grup­pe weg­stirbt? Heu­te Mor­gen im sonst so schla­ger­fes­ten Hör­funk­pro­gramm spiel­ten die ver­ant­wort­li­chen Mode­ra­to­ren jeden­falls Paul McCart­neys Mull of Kentyre.

Die Erklä­rung zur “sach­ten” Moder­ni­sie­rung des ange­staub­ten Sen­ders von deutsch­spra­chi­gem Lied­gut, geht wohl tat­säch­lich mit einer geän­der­ten Ziel­grup­pe ein­her und wird mit für Men­schen mei­nes Alters erschre­cken­der Logik begrün­det: Die Hörer des Sen­ders, die ins­be­son­de­re deut­sche Schla­ger zu ihren Favo­ri­ten gezählt hat­te, wird lang­sam durch die neu­en Alten ersetzt, die in ihrer Jugend eben eng­lisch­spra­chi­ge Titel gehört hät­ten, des­halb setzt der Sen­der ver­mehrt auch auf eng­li­sche Hits der sieb­zi­ger und acht­zi­ger Jahre. 

Amorphe Masse

Befürch­tun­gen mei­ner­seits dass sich bei puber­tie­ren­den Teen­agern durch die Hor­mo­ne, oder was auch immer, das Gehirn in eine amor­phe Mas­se ver­wan­delt, oder schlim­mer noch, ver­flüs­sigt, schei­nen unbe­grün­det. Die Ursa­che für das abnor­me Ver­hal­ten in die­sen Jah­ren resul­tiert laut AOK dar­aus, dass im vor­de­ren Hirn­be­reich tau­sen­de Ver­net­zun­gen gekappt wer­den. Ob mich das beru­hi­gen soll, weiß ich nicht so genau. Denn ein­ge­denk der Tat­sa­che, dass der prä­fron­ta­le Cor­tex bei einer 15jährigen offen­sicht­lich nicht ganz ver­an­kert ist, bin ich mir nicht sicher, ob nicht doch bei zu vie­len Kap­pun­gen Tei­le des Gehirn eines Mor­gens neben dem Bett liegen. 

Jahresabschluss

Zusam­men­fas­send für 2010 kann gesagt wer­den, was auch gesagt wur­de und als Zitat hän­gen­ge­blie­ben ist, äh, oder so.

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„Wer dem Volk anstren­gungs­lo­sen Wohl­stand ver­spricht, lädt zu spät­rö­mi­scher Deka­denz ein“
[Außen­mi­nis­ter Gui­do Westerwelle] 

„Bes­ser ab und zu ein schö­nes Mäd­chen anschau­en, als schwul zu sein“
[Ita­li­ens Minis­ter­prä­si­dent Sil­vio Berlusconi] 

„Alle Juden tei­len ein bestimm­tes Gen“
[Ex-Bun­des­vor­stand Thi­lo Sarrazin] 

„Sie ist eine star­ke Per­sön­lich­keit. Eher ein Mann als eine Frau“
[Muammar al-Gad­da­fi, liby­scher Staats­chef, über Bun­des­kanz­le­rin Merkel] 

„Wie­so Unwet­ter­war­nung, ich hab‘ doch gar nichts angestellt“
[Lisa]

„Mensch, Du hast immer eine Men­ge Arbeit“
„Mit Dir?“
„Nein, mit den alten Leu­ten am Tisch“

[Dus­tin bei der Familienweihnachtsfeier] 

Die Sonne bringt es an den Tag

In der Tat, Män­ner in kur­zen Hosen sind etwas befremd­lich. Die JUNGE FREIHEIT merkt dazu an:

Nun ja, tat­säch­lich gibt es Män­ner, die kön­nen kur­ze Hosen tra­gen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehö­ren, dann machen Sie ein­fach einen klei­nen Test: 

- Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne?

- Sind sie in einem Trach­ten­ver­ein und auf dem Weg zu einer Veranstaltung?

- Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?

- Ist Ihr Name Char­lie Brown oder Micky Maus?

- Sind sie unter 12 Jahre?

Wenn Sie eine der Fra­gen mit ja beant­wor­tet haben, dann dür­fen Sie kur­ze Hosen tra­gen. Sonst aber nicht!