Die Selbstverständlichkeit des Bösen

Vor acht­zig Jahren, am 20. Januar 1942 tra­fen sich mit 15 füh­ren­den Nationalsozialisten eini­ge der wohl größ­ten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, um die Endlösung der Judenfrage zu orga­ni­sie­ren. Was so büro­kra­tisch klingt und im übri­gen wohl auch von den Nazis als rei­ner Bürokratieakt ange­se­hen wor­den ist, war nichts ande­res als die Ermordung und Ausrottung von Millionen von Menschen ande­ren Glaubens. 

Bei Schnittchen und Cognac traf sich die Abordnung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichsregierung und der SS-Behörden zur berüch­tig­ten Wannseekonferenz, um die Zusammenarbeit des Genozides zu koor­di­nie­ren. Die Konferenz ist bereits nach den gefun­de­nen Protokollen fil­misch auf­ge­ar­bei­tet wor­den; am Montag zeigt das ZDF eine wei­te­re neue­re Fassung der Mordkonferenz, wobei bereits der Fernsehfilm aus dem Jahre 1984 scho­ckie­rend genug ist. 

Vielleicht wäre das Filmmaterial etwas für zukünf­ti­ge AFD-Parteitage, ich kann mir jeden­falls nicht vor­stel­len, dass Meuthen und Gauland sich danach noch ein­mal für die Entsorgung von Menschen aus­spre­chen, jeden­falls nicht öffentlich. 

Alle ver­füg­ba­ren Dokumente der Wannseekonferenz sind auf den Seiten der Gedenk-und Bildungsstätte Haus Wannsee abrufbar. 

Das ZDF zeigt den Film am Montag, den 24.01.2022 um 20.15 Uhr im TV.

Tagebuch des Henkers Franz Schmidt

Wenn von Tötung die Rede ist, muss das nicht zwangs­läu­fig auch etwas mit Mord zu tun haben. Schließlich war es auch in der BRD durch­aus üblich, Menschen hin­zu­rich­ten. Erst 1949 wur­de die Todesstrafe abge­schafft. Im 16 Jahrhundert war die Todesstrafe ganz oben auf der Tagesordnung. Auch Verstümmelungen und Auspeitschungen waren üblich. Schwor man bei­spiels­wei­se einen Meineid und wur­de über­führt, konn­te das schon mal drei Finger kos­ten, den ein Henker dem Überführten abhack­te. Auch das Abschneiden der Ohren war durch­aus üblich. 

Henker oder auch Nachrichter war kein ehr­ba­rer Beruf. Meist wur­de von der Obrigkeit jemand aus dem Volk bestimmt und so für Generationen ver­pflich­tet, Exekutionen oder Amputationen durch das Schwert oder Beil vor­zu­neh­men. Der Henker war zwar Staatsdiener mit durch­aus gutem Gehalt, muss­te aber zumeist am Dorfrand in einer Dienstwohnung woh­nen und durf­te fort­an kei­nen ande­ren Beruf mehr aus­üben. Der Henkersjob war ein uneh­ren­haf­ter Beruf, nichts des­to trotz konn­te man es in dem Beruf zum Meister bringen. 

Obwohl das Lesen und Schreiben für einen Henker eher unüb­lich war, gibt es doch Aufzeichnungen schrift­li­cher Art aus der Zeit des Spätmittelalters. Der Scharfrichter Franz Schmidt aus Nürnberg führ­te von 1573 bis 1617 ein detail­lier­tes Verzeichnis der von ihm voll­zo­ge­nen Strafen. 

Franz Schmidt kämpf­te im Übrigen zeit­le­bens dar­um, den Makel sei­nes Berufs abzu­strei­fen und sich und sei­ne Familie von der sozia­len Ächtung zu befrei­en. Das gelang ihm tat­säch­lich im Jahre 1593, als er das Nürnberger Bürgerrecht erlangte. 

Durch sei­ne prak­tisch erwor­be­nen Kenntnisse in Anatomie, war er nach sei­ner Pensionierung noch als Arzt tätig. Die Eintragungen waren indes eher Aufzählungen als Erzählungen, zudem schrieb der Henker auf­grund feh­len­der Schulbildung nach Gehör.

Hinrichtungen und Leibstrafen — Amazon Link

Ausgangssperre

Der Karfreitag gehört zu den “stil­len” Feiertagen, Tanzen und ande­re Vergnügungen sind ver­bo­ten, zumin­dest wenn sie mit Lärm ver­bun­den sind. Warum der Landrat von Uetersen im Kreis Schleswig-Holstein im August 1914 einen Lockdown ver­häng­te, bleibt sein Geheimnis. Möglich ist aber das der Kriegsbeginn zwei Wochen vor­her aus­schlag­ge­bend war. Viel Theater wird es um die Bekanntmachung nicht gege­ben haben, in der Kaiserzeit war man noch recht obrigkeitshörig. 

Briefe der Weltgeschichte XI

Am Morgen des 05. Februar 1913 kün­dig­te Kaiser Wilhelm per Telegramm sei­nen Besuch in Straßburg an. Man sol­le, so ging es aus dem Inhalt des Telegramms her­vor, die gesam­te Garnison um 12.00 Uhr auf dem Exerzierplatz antre­ten las­sen, um die Ankunft des Kaisers zu erwar­ten. 18.000 Soldaten und eine mit Fahnen geschmück­te Stadt waren am Mittag des 05. Februar bereit, den Kaiser zu emp­fan­gen, der nicht kam. Ein wegen psy­chi­scher Auffälligkeiten beur­laub­ter Zahlmeister mit Namen August Wolter hat­te sich den Scherz erlaubt und das gefälsch­te Telegramm als Postbote ver­klei­det der Administration der Stadt übergeben. 

August Wolter, Public domain, via Wikimedia

Quelle:wikipedia.org

Dankschreiben

Das wohl berühm­tes­te Gangsterpärchen Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow, in ihrer Verbrecherkariere kurz Bonnie & Clyde genannt, hat es in der Zeit nach ihrem Tod zu unge­ahn­tem Rum gebracht. Das Duo mach­te vor allem in der Zeit der Wirtschaftskrise Anfang der drei­ßi­ger Jahren in den USA von sich reden. Gemeinsam zogen sie in die­sen Jahren durch den mitt­le­ren Westen, um Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und Banken zu berau­ben. Insgesamt sol­len außer­dem vier­zehn Morde auf das Konto der bei­den gehen, bis sie schließ­lich im Jahre 1934 in ihrem Auto von Fahndern durch Hunderte von Schüssen regel­recht zer­siebt wor­den sind. Clyde Barriow wird nach­ge­sagt, eine Schwäche für PS-star­ke Autos und ins­be­son­de­re für die der Marke Ford gehabt zu haben. Ein Brief, per­sön­lich an Henry Ford einen Monat vor Clydes Tod adres­siert, bestä­tigt den Faible des Gangsters für den V8.

Tulsa Okla
10. April
Mr. Henry Ford
Detroit Mich.

Sehr geehr­ter Herr: — 

wäh­rend ich noch Atem in mei­nen Lungen habe, wer­de ich Ihnen sagen, was für eine pri­ma Karre Sie da bau­en. Ich bin Fords aus­schließ­lich gefah­ren, wenn ich mit einem davon­kom­men konn­te. Was anhal­ten­de Geschwindigkeit und Verlässlichkeit angeht, kön­nen sie gegen den Ford jede ande­re Kiste ver­ges­sen, und selbst wenn mei­ne Geschäfte nicht streng legal waren, scha­det es nichts, Ihnen zu sagen, was für eine Spitzenkiste Sie im V8 anbieten.

Mit freund­li­chen Grüßen
Clyde Champion Barrow

Der von den Texas-Rangern durch Schüsse zer­sieb­te Ford:

Von Autor unbe­kannt — Rare pho­to shows Bonnie and Clyde befo­re their bloo­dy end NT Post, Gemeinfrei.

Briefe der Weltgeschichte IX

Erich Honeckers letz­ter Brief aus dem Gefängis Berlin Mohabit, aus dem er nach 169 Tagen Untersuchungshaft ver­mut­lich auch auf­grund sei­nes schwe­ren Krebsleidens im Januar 1993 ent­las­sen wor­den ist. Die ange­schrie­be­nen Eva ist die Gymnasiallehrerin Dr. Eva Ruppert, die sich einem Solidaritätskomitee anschloss und eine glü­hen­de Verehrerin Erich Honeckers war. Über die­ses Komitee ist der Kontakt zu Erich und spä­ter Margot Honecker ent­stan­den. Am 12. Januar 1993 wur­de der tod­kran­ke Erich Honecker aus dem Gefängnis ent­las­sen und durf­te nach Chile aus­rei­sen, wo er am 29. Mai 1994 an einem Lebertumor starb.

Berlin-Mohabit, den 22. Dezember 1992

Liebe Eva,

ver­zei­he mir, wenn ich die­sen Brief mit der Maschine schrei­be. Meine Hand ist noch nicht ruhig. Ich möch­te Dir also einen Brief schrei­ben, den Du auch lesen kannst. [..] 

Nun, ges­tern ging das medi­zi­ni­sche Seminar erst spät zu Ende. Ausgang klar. Hackethhal ist doch der größ­te Mediziner Deutschlands. Schau: Selbst die Maschine sträubt sich, so einen Unsinn zu schrei­ben. Der Mann hat zwei Verhandlungstage voll beherrscht und was noch wich­ti­ger ist: Er hat gesiegt. Gesiegt auf der gan­zen Linie. Ich glau­be, mei­ne Verteidiger wer­den dem auch zustimmen. 

Dies, lie­be Eva, woll­te ich Dir ganz schnell mit­tei­len. Es ist ein Gruß von mir, Antwort auf vie­le Briefe […] 

Jetzt ver­bleibt mir nur noch, Dir das Allerbeste zum Jahr 1993 zu wün­schen. Von Weihnachten gar nicht erst zu reden. Heute las ich die Prognose für 1993 – 4 Millionen offi­zi­el­le Arbeitslose. Inoffiziell sind es ja noch viel mehr. Eine Welt, die wir nicht mehr gekannt haben.

Herzliche Grüße

Erich

Quelle: »Liebe Eva« — Erich Honeckers Gefängnisbriefe 

Briefe der Weltgeschichte VIII

Bereits im November letz­ten Jahres berei­te­te die AFD um ihren Vorsitzenden Höcke, den Putschversuch zur Ablösung der Thüringer Landesregierung vor. Das geht aus einem Schreiben des rechts­ex­tre­men Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag, Björn Höcke an die bei­den Landesvorsitzenden von FDP und CDU, Thomas Kemmerich und Mike Mohring hervor.