Ausgangssperre

Der Karfreitag gehört zu den “stillen” Feiertagen, Tanzen und andere Vergnügungen sind verboten, zumindest wenn sie mit Lärm verbunden sind. Warum der Landrat von Uetersen im Kreis Schleswig-Holstein im August 1914 einen Lockdown verhängte, bleibt sein Geheimnis. Möglich ist aber das der Kriegsbeginn zwei Wochen vorher ausschlaggebend war. Viel Theater wird es um die Bekanntmachung nicht gegeben haben, in der Kaiserzeit war man noch recht obrigkeitshörig.

Briefe der Weltgeschichte XI

Am Morgen des 05. Februar 1913 kündigte Kaiser Wilhelm per Telegramm seinen Besuch in Straßburg an. Man solle, so ging es aus dem Inhalt des Telegramms hervor, die gesamte Garnison um 12.00 Uhr auf dem Exerzierplatz antreten lassen, um die Ankunft des Kaisers zu erwarten. 18.000 Soldaten und eine mit Fahnen geschmückte Stadt waren am Mittag des 05. Februar bereit, den Kaiser zu empfangen, der nicht kam. Ein wegen psychischer Auffälligkeiten beurlaubter Zahlmeister mit Namen August Wolter hatte sich den Scherz erlaubt und das gefälschte Telegramm als Postbote verkleidet der Administration der Stadt übergeben.

August Wolter, Public domain, via Wikimedia

Quelle:wikipedia.org

Dankschreiben

Das wohl berühmteste Gangsterpärchen Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow, in ihrer Verbrecherkariere kurz Bonnie & Clyde genannt, hat es in der Zeit nach ihrem Tod zu ungeahntem Rum gebracht. Das Duo machte vor allem in der Zeit der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahren in den USA von sich reden. Gemeinsam zogen sie in diesen Jahren durch den mittleren Westen, um Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und Banken zu berauben. Insgesamt sollen außerdem vierzehn Morde auf das Konto der beiden gehen, bis sie schließlich im Jahre 1934 in ihrem Auto von Fahndern durch Hunderte von Schüssen regelrecht zersiebt worden sind. Clyde Barriow wird nachgesagt, eine Schwäche für PS-starke Autos und insbesondere für die der Marke Ford gehabt zu haben. Ein Brief, persönlich an Henry Ford einen Monat vor Clydes Tod adressiert, bestätigt den Faible des Gangsters für den V8.

Tulsa Okla
10. April
Mr. Henry Ford
Detroit Mich.

Sehr geehrter Herr: -

während ich noch Atem in meinen Lungen habe, werde ich Ihnen sagen, was für eine prima Karre Sie da bauen. Ich bin Fords ausschließlich gefahren, wenn ich mit einem davonkommen konnte. Was anhaltende Geschwindigkeit und Verlässlichkeit angeht, können sie gegen den Ford jede andere Kiste vergessen, und selbst wenn meine Geschäfte nicht streng legal waren, schadet es nichts, Ihnen zu sagen, was für eine Spitzenkiste Sie im V8 anbieten.

Mit freundlichen Grüßen
Clyde Champion Barrow

Der von den Texas-Rangern durch Schüsse zersiebte Ford:

Von Autor unbekannt – Rare photo shows Bonnie and Clyde before their bloody end NT Post, Gemeinfrei.

Briefe der Weltgeschichte IX

Erich Honeckers letzter Brief aus dem Gefängis Berlin Mohabit, aus dem er nach 169 Tagen Untersuchungshaft vermutlich auch aufgrund seines schweren Krebsleidens im Januar 1993 entlassen worden ist. Die angeschriebenen Eva ist die Gymnasiallehrerin Dr. Eva Ruppert, die sich einem Solidaritätskomitee anschloss und eine glühende Verehrerin Erich Honeckers war. Über dieses Komitee ist der Kontakt zu Erich und später Margot Honecker entstanden. Am 12. Januar 1993 wurde der todkranke Erich Honecker aus dem Gefängnis entlassen und durfte nach Chile ausreisen, wo er am 29. Mai 1994 an einem Lebertumor starb.

Berlin-Mohabit, den 22. Dezember 1992

Liebe Eva,

verzeihe mir, wenn ich diesen Brief mit der Maschine schreibe. Meine Hand ist noch nicht ruhig. Ich möchte Dir also einen Brief schreiben, den Du auch lesen kannst. [..]

Nun, gestern ging das medizinische Seminar erst spät zu Ende. Ausgang klar. Hackethhal ist doch der größte Mediziner Deutschlands. Schau: Selbst die Maschine sträubt sich, so einen Unsinn zu schreiben. Der Mann hat zwei Verhandlungstage voll beherrscht und was noch wichtiger ist: Er hat gesiegt. Gesiegt auf der ganzen Linie. Ich glaube, meine Verteidiger werden dem auch zustimmen.

Dies, liebe Eva, wollte ich Dir ganz schnell mitteilen. Es ist ein Gruß von mir, Antwort auf viele Briefe […]

Jetzt verbleibt mir nur noch, Dir das Allerbeste zum Jahr 1993 zu wünschen. Von Weihnachten gar nicht erst zu reden. Heute las ich die Prognose für 1993 – 4 Millionen offizielle Arbeitslose. Inoffiziell sind es ja noch viel mehr. Eine Welt, die wir nicht mehr gekannt haben.

Herzliche Grüße

Erich

Quelle: „Liebe Eva“ – Erich Honeckers Gefängnisbriefe