Neues von der Leipziger Buchmesse

„Hygiene wird bei mir kleingeschrieben“ untertitelt die Autorin Charlotte Roche ihren Debütroman „Feuchtgebiete“. Und tatsächlich, gleich auf den ersten Seiten präsentiert die Romanheldin in drastischer Art ihr Verhältnis zu Exkrementen, Blut und Eiter. Bukowski lässt grüßen. Die achtzehnjährige Helen Memel liegt nach einer verunglückten Intimrasur im Krankenhaus und versucht durch ihren Krankenhausaufenthalt die geschiedenen Eltern wieder zusammenzubringen. Unterdessen erkundigt sie Ihren Körper und lässt die Gedanken zu wilden Phantasien werden – die sie frech und provokant bereit ist auch anderen, wie dem Krankenpfleger Robin, mitzuteilen. Dabei zieht sich die Sehnsucht nach einer heilen Familienwelt wie ein roter Faden durch den Roman und steht scheinbar im krassen Widerspruch zu den Dingen, die sie tut, um die letzten Tabus der heutigen Zeit provokant zu brechen. Drastisch, unzimperlich mit einem feinen Sinn für Humor präsentiert Charlotte Roche ihr Erstlingswerk, das allerdings nichts für Zartbesaitete ist.

Was Sie über Restaurants nie wissen wollten

Anthony Bourdain ist Küchenchef der französischen Brasserie Les Halles in New York. Neben dem Kochen schreibt Bourdain Bücher, die die harte Welt der Gastronomie aufzeigen. In seinem wohl bekanntesten Buch “Geständnisse eines Küchenchefs” beschreibt er seine Erfahrungen in zahlreichen Küchen und gibt einen Blick hinter die Kulissen New Yorker Gastronomie.

"Die Hälse und Handgelenke aller Köche waren rot entzündet und von grässlichen Hitzeausschlägen entstellt. Beim Umziehen in den stinkenden, septischen Umkleideräumen des Rooms am Ende der Schicht bot sich ein grausiges Panorama dermatologischer Kuriositäten dar. Man sah Geschwüre, Pickel, eingewachsene Haare, Ausschläge, Geschwulste, Schnitte und Hautfäule von einem Schweregrad und einer Vielfalt, wie man sie vielleicht im Dschungel erwartet hätte."

Geständnisse eines Küchenchefs [ISBN: 3-89667-166-9]

Eva und der Apfel [Kuchen]

Die ehemalige Tagesschausprecherin und jetzige Buchautorin Eva Herman hat nachgelegt. Ein weiteres Buch über die heimelige Welt des Apfelkuchens. „Liebe Eva Herman“, so der Buchtitel, beinhaltet die gesammelten Zuschriften der Leser ihres ersten Buches „Das Eva Prinzip.“ Nun kann man Frau Herman alles mögliche vorwerfen, aber nicht das sie die Taktik der Totschlagargumentation nicht beherrscht. Mit ihren Thesen im ersten Buch hat sie so Recht, wie es Tatsache ist, dass die Leute früher zu Bett gegangen sind, als es noch keinen Strom gab.

Werbewirksam fabuliert Eva Herman dann auch in spiegel-online:“Wir müssen uns dem beugen, dem der uns gemacht und der hat Mann und Frau vorgesehen. Er [der Mann] hat eine andere Aufgabe. Er ist dafür wichtig dass er die Frau beschützt und schützt und stützt.“ Der Satz dürfte manchem Anhänger des deutschen Idealismus die Freudentränen in die Augen schießen lassen, stützt sie doch Hegels These vom „substantiellen Dasein des Mannes im Kampf“.

Das Buch in die aktuelle Debatte um den „Gebärmaschinenstreit“ im Zusammenhang mit den Forderungen von der Leyens nach mehr Kinderbetreuung zu platzieren, zeugt indes von unternehmerischen Qualitäten – glücklicherweise musste Eva Herman nicht auch noch Apfelkuchen backen.