Der Medicus

Nein, es war keine 1:1 Übertragung des Buchs als Film. Das ist auch kaum möglich, schließlich hat das gleichnamige Buch von Noah Gordon über 900 Seiten. Die Adaption auf Grundlage des Bestsellers youtube„Der Medicus“ ist allerdings ein visuelles Meisterwerk. Vom düsteren Mittelalterflair im England des 11. Jahrhunderts geht die Reise durch tosende Sandstürme bis ins für diese Zeit fortschrittliche Persien, dessen Orient -Opulenz sozusagen greifbar ist.

Der junge Rob Cole muss im düsteren und dreckigen England des 11. Jahrhunderts hilflos mit ansehen, wie seine Mutter an der „Seitenkrankheit“ stirbt. Fortan zieht er mit einem Wunderheiler über Land, um als Gehilfe des Baders, Zähne mit der Zange zu ziehen, Hämorrhoiden mit dem glühenden Eisen zu behandeln und ausgekugelte Gelenke zu richten. Die Leute sind froh, ärztliche Versorgung gab es ansonsten nicht im Mittelalter.

Als sein Lehrmeister, der alte Bader, ihm nach anfänglichen Grollen ein guter Freund geworden ist, an einer Trübung der Augen zu erblinden droht, hört er von einem Medicus, der durch Augen stechen Blinde sehen machen soll. Nach anfänglichem Zögern willigt der Bader ein und kann nach der Prozedur tatsächlich wieder sehen.

Fasziniert von der Kunst, beschließt Rob Cole nach Persien zu gehen, um die Kunst des Medicus zu erlernen.
Nach vielen Abenteuern kommt Cole schließlich in Isfahan an und darf, als Jude getarnt, an der medizinischen Schule die Grundlagen wissenschaftlicher Medizin erlernen.

Coles besondere Begabung und sein Ehrgeiz vertragen sich nicht immer mit den religiösen Gesetzen der Mullahs.
Seine Wissbegier bezahlt Cole schließlich fast mit Tod; einzig die geglückte Blindarmoperation und das kluge Vorgehen bei der Pest sichern ihm den Schutz durch den dortigen Sha Ala ad-Daula.

Ein bildgewaltiger Historienfilm und atemberaubende Abenteuergeschichte, den man im Kino gesehen haben muss.

Lincoln

© Walt Disney Studios Motion Pictures
© Walt Disney Studios Motion Pictures

Abraham Lincoln war wohl einer der bedeutendsten Präsidenten der vereinigten Staaten. Der 16. Präsident ging ein in die Geschichte, als der Mann, der erfolgreich die Sklaverei abschaffte. Die rebellierenden Südstaaten, die ihre wirtschaftliche Grundlage in Gefahr sahen, da sie hauptsächlich auf Sklaven als billige Arbeitskräfte setzten, spalteten sich zu diesem Zeitpunkt von den Vereinigten Staaten ab und bildeten mit insgesamt 11 Staaten die Konföderierten, die allerdings weder rechtlich Bestand hatten noch von den anderen Ländern weltweit als eigene Staaten anerkannt waren. Der daraus resultierende amerikanische Bürgerkrieg zwischen den Nordstaaten und den Südstaaten dauerte von 1861 bis 1865 und endete in einer Kapitulation der Südstaaten. Abraham Lincoln führte die Nordstaaten auch nach seiner Wiederwahl 1864 in den Bürgerkrieg, gleichzeitig trieb er mit einem Verfassungszusatz, der die Sklaverei in den USA verbieten sollte, mit allen Mitteln voran.

Hier beginnt der Steven Spielberg seinen Film, genauer, er konzentriert sich auf die letzten vier Monate im Leben des Präsidenten. Mit realistischer Akribie zeichnet Spielberg das politische Schachspiel Lincolns um den 13. Zusatz der Verfassung.

Wen auch die quälende Abstimmung im Repräsentantenhaus etwas langatmig daherkommt und Actionszenen komplett fehlen, zeigt sich der Film als spannende Geschichtsstunde, in der vor allem die Hauptdarsteller durch eine gelungene Darstellung ihrer Figuren brillieren.

Daniel Day-Lewis als Abraham Lincoln überzeugt nicht nur optisch in der Darstellung als warmherziger Menschenfreund, scheinbar jede Situation ruhig und gelassen beherrschender Präsident, der jedoch weniger als strahlender Held, denn als ausgezehrter hagerer Mann die Abschaffung der Sklaverei vorantreibt.

Mary Lincoln, ihren Gatten unterstützend, doch traumatisch gezeichnet durch den Verlust ihres ältesten Sohnes und in Angst und Sorge um den Zeitältesten, der auch unbedingt als Soldat die Nordstaaten unterstützen will, wird von Sally Field dargestellt, als erlebe sie ihre eigene Geschichte. Schließlich Tommy Lee Jones, dessen Rolle als schlecht gelaunter, scharfzüngiger republikanischer Abgeordneter Thaddeues Stevens, ihm ebenfalls auf den Leib geschrieben schien. Großes Kino ohne viel Action, dass ein intensives Zuhören der fein geschliffenen Dialoge verlangt.

Skyfall

„Wir sind uns noch gar nicht vorgestellt worden“, bemerkt Bond fast am Ende des Films. „Ich heiße Moneypenny“, antwortet die Dame, die Bond am Anfang des Films versehentlich fast getötet hätte. Und wenn auch sonst zu wenig, hier blitzt er auf, der britische Humor:“ Da kann ich mich jetzt sicherer fühlen, wenn Sie in den Innendienst gewechselt haben“, bemerkt Bond trocken.

Es sind auch die kleinen Dinge, die diesen Film zu einem echten Klassiker machen. Der 23. James Bond Film ist zugleich Jubiläumsausgabe zu 50 Jahre James Bond. 1962 startetet mit “007 jagt Dr. No”, Sean Connery als Ur-007 in den Kinos. Und so sind als Reminiszenz an die Bond Reihe einige klassische Elemente in Szene gesetzt worden, die der Nicht Bond Fan vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen mag, die den Bond Fan aber dafür umso mehr erfreuen, wie bspws. den wohlwollenden Blick an die Barkeeperin, den berühmten Wodka Martini exakt geschüttelt und nicht gerührt zu haben, oder Bonds Autowechsel zum Klassiker in der Bond Auto Reihe, dem Aston Martin DB 5, der erstmals 1964 in “Goldfinger” zum Einsatz kam.

Gut das sind Kleinigkeiten und natürlich geht der neue Bond auch, oder trotz einiger Erinnerungen an 50 Jahre 007 seine eigenen Weg – das war insofern mutig, als das der Film dieses Mal an das Vergängliche erinnert, welches im fortgeschrittenen Alter Bonds als Verfallsgrenze ob des liederlichen Umgangs mit dem Heldenkörper daherkommt und sich am, im Training aus der Puste kommenden Hauptdarsteller Daniel Craig manifestiert. In “Skyfall” fiebert der Zuschauer bis zum Ende mit, ob Bond mit derart schlechter körperlicher Konstitution und zitternden Händen an der berühmtem Walther PPK, tatsächlich in der Lage ist, die Bösewichter der Welt zu besiegen.

Bond wäre nicht Bond, wenn das nicht gelänge. Und so ist “Skyfall” zwar einmal mehr ein Actionfilm mit klarer Botschaft und Abgrenzung zwischen Gut und Böse, aber genau das erwartet der Zuschauer ja auch vom Agenten seiner Majestät mit britischer Coolness und maßgeschneidertem Anzug.

Qualitätsfernsehen

Zwischen all dem Müll, den das deutsche Fernsehen so liefert, ist doch die eine oder andere Perle dabei, die es sich lohnt anzuschauen. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, gute Filme auch zu finden. Da heißt es dann: Zappen und zum Schluß doch wieder bei einem der x-ten Wiederholungen des Tatorts hängen zu bleiben, oder bei tittelbach.tv nach zu schauen. Der Journalist Rainer Tittelbach schreibt Rezensionen zu aktuellen Fernsehfilmen und Serien und erspart, wenn ich schon mal was sehen will, nervtötendes Gezappe.