Gut gemeint ist oft nicht gut gemacht

Die geplante EU-Urheberrechtsreform sieht in Artikel 13 vor, dass zukünftig Onlineplattformen für von den Nutzern hochgeladene Inhalte haften, wenn Urheberrechtsverletzungen festgestellt werden.

“Diensteanbieter der Informationsgesellschaft, die große Mengen der von ihren Nutzern hochgeladenen Werke und sonstigen Schutzgegenstände in Absprache mit den Rechteinhabern speichern oder öffentlich zugänglich machen, ergreifen Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass die mit den Rechteinhabern geschlossenen Vereinbarungen, die die Nutzung ihrer Werke oder sonstigen Schutzgegenstände regeln, oder die die Zugänglichkeit der von den Rechteinhabern genannten Werke oder Schutzgegenstände über ihre Dienste untersagen, eingehalten werden.”

Was vernünftig klingt, könnte in der Ausführung dazu führen, dass Inhalte mit automatischen Filtern vom Upload ausgeschlossen werden. Diese “Uploadfilter” können allerdings beispielsweise nicht zwischen einer Urheberrechtsverletzung und Satire unterscheiden.

Zitate aus Artikeln zu übernehmen, würde in Zukunft nicht mehr möglich sein. Memes, also Parodien, die mittels Text und Original Bildmaterial zu einer Art Kunstform im Netz aufgestiegen sind, würden aller Voraussicht nach ebenfalls geblockt.

Vom Grundsatz muss befürchtet werden, dass das Internet sich einer Art freiwilligen Zensur aussetzt.

Der Sonne erklären, dass sie nicht soviel scheinen soll

In meiner Erinnerung war der Februar der kälteste Monat im Winter. Wir Kinder wurden regelmäßig dick mit Nivea Creme eingecremt. Mitte Februar herrschten im Sauerland Temperaturen weit in den Minusbereich, meist einhergehend mit einem halben Meter Schnee. Jetzt, Mitte Februar 2019 zeigt das Thermometer knapp 20 Grad Celsius an und ich schwitzte beim Arbeiten draußen im T-Shirt. Ich bin nur froh, dass wir kompetente Politikerinnen und Klimaexpertinnen haben, die mir dies Phänomen erklären können – und das auch noch in einfachen Worten. Dank Frau von Storch.

BTW: Das Video ist zwar bereits eineinhalb Jahre alt, hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Und es soll mir niemand später sagen können, man hätte von nichts gewusst.

Vielleicht hätte das Blaublut sich besser von einem wirklichen Experten beraten lassen sollen.

Netzlese

Wenn Heimatminister Seehofer, so wie er behauptet, tatsächlich in den achtziger Jahren im Internet unterwegs war, hätte er wahrscheinlich nicht viel gesehen. Das Netz wie wir es kennen, entwickelte sich erst ab Anfang bis Mitte der neunziger Jahre zu einem Medium für alle. Neben dem großen Dotcom Boom schuf das Netz eine Vielzahl von Netzpionieren, die das neue Medium zum publizieren animierte. Durch die leicht zu erlernende Auszeichnungssprache HTML konnte jeder seine persönlichen Präferenzen öffentlich machen. Das führte nicht nur zu skurrilen Netzauftritten, wie die des bekanntesten Exhibitionisten String Emil, den es tatsächlich noch gibt, sondern oftmals zu ambitionierten Versuchen, eine gewisse Sinnhaftigkeit von Design und Inhalt unter Verwendung meist rudimentärer HTML-Kenntnisse zu vereinen.

Bei vielen ist es beim Versuch geblieben und die größten Trash-Seiten schafften seinerzeit eine Nominierung auf der endgültigen Müllseite. Die Müllseite wird seit 2007 nicht mehr aktualisiert, was zum einen schade ist, aber zum anderen verständlich, da seit dieser Zeit vorgefertigte Blogsysteme mit entsprechenden Themes die Designarbeit übernahmen und so der Einheitsbrei von WordPress Themes den mutigen „Designseiten“ Platz machte.

Aber es gibt sie noch, die verwegenen Seiten. Unerschrockene Webmaster, die sich den ästhetischen Grundprinzipien beharrlich verweigern, grundlegende HTML-Regeln mutig missachten und den Besucher mit selbstgefälliger Orthographie überraschen.

Da wäre WoGru, der tatsächlich in der Grotesk-Schriftart Comic Sans MS Belangloses inhaltlich übersichtlich zur Verfügung stellt. Warum er die Seite nicht löscht, die offenkundig als Homepageleiche überspannter Ambition die Hochzeit im Netz zu präsentieren übrig geblieben ist, bleibt sein Geheimnis.

Dipl.-Ing. Jürgen A. Neuber hingegen weist in seiner Historie darauf hin, sich tatsächlich noch um seine Seite zu kümmern. Der letzte Eintrag datiert auf den 10. Januar 2019. Jürgen A. Neuber’s Design zeichnet sich durch eine absolute Unübersichtlichkeit in der Hintergrundfarbe grau, fünf verschiedenen Schriftfarben und wild verteilten Texten aus, die zu allem Überfluss teilweise unterstrichen sind. In den Texten dann, ebenfalls wild gestreut, etliche Links zu den verschiedensten Themengebieten, die den Dipl.-Ing. aus Sachsen interessieren.

Karl Fritsch nennt eine Homepage sein Eigen, bei der man die Vermutung haben könnte, es handle sich um Satire. Die Seite blinkt und schreit in allen Farben. Die einzigen Hinweise darauf, dass es sich bei Karl Fritsch um eine tatsächlich existierende Person handeln könnte, ist ein verstecktes Impressum und die Tatsache, dass auf der Seite nach einer Partnerin gesucht wird, die schlank, Nichtraucherin und haushaltsaffin ist.

Android sicher machen

Wer sich mit dem Sicherheitsgedanken rund ums Smartphone beschäftigt, landet schnell auf dem Blog von Mike Kuketz.

Kuketz ist Sicherheitsexperte und hat bereits vor drei Jahren eine Artikelserie zum Thema Your Phone Your Date – Android ohne Google veröffentlicht.

Da ich immer schon mal rooten wollte und die Gewährleistung für mein Handy abgelaufen war, habe ich diese Artikelserie zum Anlass genommen, mein Handy googlefrei zu machen.

Zunächst ist das ein langer und mühsamer Weg mit vielen Rückschlägen, der Weg und vor allem das Ziel lohnen die Mühe.

Interessant war für mich – und das ist nur eine Bestätigung meines Tuns – wie Google immer wieder versucht auf das Smartphone zu gelangen, um entsprechend Daten abzugreifen. Ich habe beobachtet, dass über verschiedenen Google Apps mehrere hundert Mal eine Verbindung vom Smartphone zum Server aufgebaut worden ist und das sicher nicht immer zu Updatezwecken.

Ich will Google nicht verteufeln; die Dienste der Nummer eins im Internet und auf dem Smartphone sind monetär gesehen kostenlos und funktionieren hervorragend. Die Preis dafür wird von den Datenhändlern in Bits und Bytes gemessen.

Zwei Dinge habe ich im Vorfeld feststellen können: Die Bequemlichkeit obsiegt in vielen Fällen über den Sicherheitsgedanken und zweitens: Auch wenn Google sich den Anschein von unendlicher Menschenfreundlichkeit gibt, persönliche Daten greift der Android-Entwickler und Internetgigant trotzdem zur weiteren Verwertung ab. Selbst dann, wenn das in den Google eigenen Einstellungen restriktiv unterbunden wird.

Vorab sei gesagt: Das Projekt funktioniert nicht (zumindest nach meiner Erfahrung) mit dem Betriebssystem, das ab Werk installiert ist. (Stock-Rom) Notwendig ist eine sogenannte Custom-Rom, also eine modifizierte Version des Google-Betriebssystems Android ohne Google-Apps. Man muss sich also auch mit dem Flashen einer Custom-Rom beschäftigen.

Persönlich habe ich mich für die Custom-Rom LineageOS 14.1 entschieden. Vorteil einer offiziellen Distribution ist, dass die monatlichen Android-Sicherheitspatches zeitnah zum Update bereitstehen. Somit können auch ältere Smartphones, die vom Hersteller nicht mehr upgedatet werden profitieren; oftmals sogar von einer neueren Android-Version.

Obschon es an der ein oder anderen Stelle vielleicht noch hakt, kann ich jetzt schon feststellen: Mein Smartphone ist derzeit nicht nur Google – und Anbieterfrei (Samsung und Co. saugen selbstverständlich auch noch einmal reichlich Daten), das Akku hält aufgrund der noch wenigen zugelassenen Verbindungen auch länger und das Smartphone ist schneller geworden.

Für Technikbegeisterte lohnt der Blick auf Mike Kuketz Blog auf jeden Fall – vielleicht ist die doch relativ radikale Lösung vom Handy ohne Google interessant genug, sie auszuprobieren.