Nützliches Erbe

Der Kumpel erzählt von einem ganz beson­de­ren Geschenk für sei­nen gera­de voll­jäh­rig gewor­de­nen Sohn. 

Er habe ihm am Geburtstag in sei­nen Hobbyraum geschleppt. Der Hobbyraum ist eine ein­ge­rich­te­te Werkstatt mit einem Sammelsurium von Motorrädern in Teilen. 

Dem erstaun­ten Sprössling gra­tu­lier­te er dann mit den Worten:« Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Du bist nun stol­zer Besitzer einer Honda Boldor, musst Dir nur noch die pas­sen­den Teile suchen und zusammenschrauben.«

Nach zwei drei Anläufen gab der Junge mit dem Hinweise auf, das nächs­te Mal soll­te es viel­leicht ein Geschenk in Richtung PC-Hardware sein, da ken­ne er sich aus. 

Vor etwa drei­ßig Jahren, über­reich­te mir über­ra­schen­der Weise der Großvater einer Bekannten meh­re­re Zigarrenkisten, in denen er fein säu­ber­lich, im Innern mit Sperrholzplättchen abge­trennt, die Schrauben auf­be­wahr­te, die ihm offen­sicht­lich im Laufe des Lebens in die Finger gekom­men waren. 

Meine Hochachtung galt der Akribie der Sammelleidenschaft und der Menge gerauch­ter Zigarren gleichermaßen.

Gestern dann der Lohn für jahr­zehn­te­lan­ger Aufbewahrung der zweck­ent­frem­de­ten Kästchen: Eine drin­gend benö­tig­te Spezialschraube, weder im Baumarkt noch sonst wo zu bekom­men, fand sich in Zigarrenkiste Nummer Zwei.

Volksbegehren in Beleckes Aula

Jürgen Becker in Belecke
Jürgen Becker in Belecke

Nein, das war nicht der Jürgen Becker, der als poli­ti­scher Kabarettist bekannt ist. Und es war auch nicht der Mann, der bei der Kabarettsendung Mitternachtsspitzen sei­nen Finger in gesell­schaft­li­chen Wunden legt und Missstände mit einem Schlag Kölner Humor par­odiert. Jürgen Becker gas­tier­te ges­tern in Belecke in der Aula und wer vom Programmtitel »Volksbegehren« auf eine kri­ti­sche Aufarbeitung direk­ter Demokratie geschlos­sen haben soll­te, der lag falsch.

Weiterlesen

Hochsitz für Betagte

Ich bin immer noch über­for­dert, zu erken­nen, was der Nutzwert eines Autos sein soll, das eigent­lich für die rus­si­sche Steppe gebaut wor­den ist und mei­ner Meinung nach hier so fehl am Platz ist wie ein drit­tes Auge im Gesicht. 

Ja gut, wir woh­nen an einem Feldweg und da wäre min­des­tens der Ansatz eines gelän­de­gän­gi­gen Autos viel­leicht noch erklärbar. 

Was mir tag­täg­lich hier ent­ge­gen­kommt, ist mit dem Begriff Geländegängigkeit aller­dings nur unzu­rei­chend beschrieben. 

Monster auf 21 Zoll Felgen, all­rad­an­ge­trie­ben mit Differenzialsperre und ein­ge­haus­tem Unterboden aus Blech. Diese Autos sind dafür gemacht, sich durch hüft­ho­he Schlammareale zu wüh­len, oder im Winter einen Weg durch Jakutien zu frä­sen.

Die Fahrer, in dia­me­tral ver­lau­fen­der Anlehnung an die Robustheit ihrer Fahrzeuge, sehen indes oft­mals so aus, als wür­den sie einem beim Öffnen der Autotür alters­ge­schwächt direkt auf den Asphalt knallen. 

So ein Trumm benö­tigt von den Ausmaßen die gesam­te Breite des Feldwegs.

Im Grunde genom­men könn­te so ein Fahrzeug, das für Wattiefen bis zu einem hal­ben Meter gebaut ist, durch­aus durch den für Fahrzeuge die­ser Art lächer­lich nied­ri­gen Graben auf’s Feld aus­wei­chen, um von dort quer­feld­ein nach Hause zu kommen. 

Offensichtlich miss­trau­en jedoch die Besitzer den tech­ni­schen und phy­si­ka­li­schen Fähigkeiten ihres Fahrzeugs. 

Von ihrem Hochsitz aus, len­ken die Fahrzeughalter ihre SUV’s peni­bel direkt so, als ob es durch ver­min­tes Gelände gin­ge; ohne Angrenzung der Reifen an den anlie­gen­den Grasstreifen. 

Das Netzkind ver­mu­tet altru­is­ti­sche Beweggründe: “Die wol­len bestimmt nur kei­ne Gänseblümchen plattfahren.” 

Die Weihnachtsplätzchenmaschine

Die bes­se­re Hälfte liebt es tra­di­tio­nell. An Weihnachten gibt’s einen Weihnachtsbaum, natür­lich natür­lich, nicht zu reich­hal­tig geschmückt, mit bun­ten Kugeln, Kerzen, ein wenig Lametta, fertig.
Vor Weihnachten, also etwa um die­se Zeit, wird geba­cken. Dazu muss der Teig durch eine Weihnachtsplätzchen-Maschine gedreht wer­den, die die Bezeichnung Maschine ob der quä­len­den mecha­ni­schen Bedienung mit­tels Kurbel nicht verdient.

Eine Kurbel! Ich mei­ne, wir leben im 21. Jahrhundert, und ich soll der bes­se­ren Hälfte zur Hand gehen, indem ich eine Maschine bedie­nen muss, die eine Kurbel hat? Der Vorschlag, eine Bohrmaschine anzu­schlie­ßen, miss­ach­te­te die bes­se­re Hälfte geflissentlich. 

Die Kurbel kur­belnd räso­nier­te ich über Sinn und Zweck der Maschine mit der Kurbel und woll­te zum rhe­to­ri­schen Dolchstoß für eben­die­se Maschine aus­ho­len, als mich die bes­se­re Hälfte umge­hend zum Schweigen brach­te: “Erstens nennt man die Weihnachtsplätzchenmaschine auch Fleischwolf und zwei­tens — wer nicht kur­belt, der kriegt auch kei­ne Plätzchen.”

Sauerländer Worte

Eigentlich mag ich das Sauerländer Idiom gar nicht , aber selbst wenn man sich bemüht, man kommt aus sei­ner Sprache nicht raus. So ist das Sauerländisch zum einen von einer dras­ti­schen Vereinfachung gekenn­zeich­net; der Genitiv exis­tiert prak­tisch nicht und die im Kausalzusammenhang ein­lei­ten­den Wörter weil und dem, sind dem Sauerländer eben­falls fremd. Das satz­be­kräf­ti­gen­de Wort »woll« habe ich mir ja müh­sam abge­wöhnt, aber den­noch lässt sich die Herkunft, wenn auch nur vom Rande des Sauerlands, nicht ver­leug­nen. Um das, was der Sauerländer Sprache nennt, etwas auf­zu­wer­ten, hat das woll-maga­zin ein Plakat mit typisch Sauerländer Begriffen erstel­len las­sen. Soll wohl wat sein, woll?