Das parlamentarische System — ein Auslaufmodell?

Bis­her noch Sati­re — Cover des Sati­re­ma­ga­zins Titanic

Mit Blick auf die ver­gan­ge­nen rechts­extre­men Auf­mär­sche in Chem­nitz oder Dort­mund, muss die­ser Tage fest­ge­stellt wer­den, dass der Ein­fluss rechts­po­pu­lis­ti­scher Mei­nungs­ma­cher zunimmt und die Bun­des­re­gie­rung der­zeit alles dar­an setzt, damit die AFD an Sym­pa­thie beim Bür­ger gewinnt. 

Skan­da­le und Pos­ten­ge­scha­cher domi­nie­ren die Poli­tik. Der Innen­mi­nis­ter hat Ver­ständ­nis für rechts­ra­di­ka­le Auf­mär­schen, der Ver­fas­sungs­schutz­chef ist erkenn­bar ein Sym­pa­thi­sant der AFD, ver­brei­tet Fehl­in­for­ma­tio­nen und wird anstel­le einer frist­lo­sen Kün­di­gung weg­ge­lobt. Intel­lek­tu­el­le sym­pa­thi­sie­ren mit dem rech­ten Rand und sogar die evan­ge­li­sche Kir­che ver­tei­digt die Zuge­hö­rig­keit zu einer Par­tei, die sich rechts­ra­di­ka­ler Rhe­to­rik bedient und damit ihre Posi­ti­on untermauert. 

Die AFD muss nichts wei­ter tun, als sich zurück zu leh­nen und auf die Din­ge war­ten, die sich in der Bevöl­ke­rung ent­wi­ckeln. Was aber will die AFD? Wel­che Kon­zep­te und Stra­te­gien ver­fol­gen die Rechtspopulisten? 

Das Kon­zept ergibt sich aus dem Kern­ele­ment natio­na­lis­ti­scher Ideo­lo­gien: Ablö­sung der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie, Gleich­schal­tung der Medi­en, der Behör­den, Staats­or­ga­ne und des Kul­tur­be­triebs. Der Euphe­mis­mus dafür heißt Volksdemokratie. 

Volks­de­mo­kra­tie und Volks­be­fra­gun­gen – das hört sich erst ein­mal gut an. Das Volk und nicht mehr ver­meint­lich kor­rup­te Poli­ti­ker bestim­men über das Gemein­wohl im Land. 

Eine Volks­de­mo­kra­tie hat nur einen ent­schie­de­nen Feh­ler: Es fehlt ihr die Sach­kennt­nis und sie ist mani­pu­lier­bar. So wie die Wäh­ler und Sym­pa­thi­san­ten der AFD nicht nach Logik oder ratio­na­lem Ver­hal­ten ent­schei­den, wird eine Regie­rung einer direk­ten Demo­kra­tie ohne par­la­men­ta­ri­sche Grund­la­ge Geset­ze viel leich­ter durch­set­zen kön­nen, die viel­leicht in einem Rechts­staat unter par­la­men­ta­ri­scher Kon­trol­le nicht mög­lich wären. 

Rechts­po­pu­lis­ten sind Bauch­men­schen, sie ent­schei­den auf Grund­la­ge ver­meint­lich kon­ser­va­ti­ver Grund­sät­ze. Es bedarf kei­nes gro­ßen Weit­blicks, um die Aus­wir­kun­gen auf den Staat fest­zu­stel­len – das jüngs­te Bei­spiel dazu lie­fert die Türkei:
Bei der Volks­ab­stim­mung im April 2017 haben die Wäh­ler für die Umwand­lung des par­la­men­ta­ri­schen Regie­rung­s­ys­tems in ein Prä­si­di­al­sys­tem gestimmt. 

Gleich­schal­tung und eine mani­pu­la­ti­ve Bericht­erstat­tung, viel mehr braucht es nicht, um bei­spiels­wei­se per Volks­ab­stim­mung über wei­te­re Ver­ord­nun­gen und Geset­ze abstim­men zu las­sen, die dar­auf abzie­len, einem auto­ri­tä­ren Staat die nöti­ge Macht zu erteilen. 

Somit kön­nen Gesetz­te zur weit­rei­chen­den Macht­be­fug­nis mit Wil­le der Bevöl­ke­rung erlas­sen wer­den; sie kön­nen sie sogar demo­kra­tisch legi­ti­mie­ren. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdo­gan lieb­äu­gelt immer noch über die Wie­der­ein­füh­rung der Todes­stra­fe per Volkserlass. 

Das der­zei­ti­ge poli­ti­sche Sys­tem in Deutsch­land ist gekenn­zeich­net durch die Ach­tung der Men­schen­wür­de, Frei­heit, Demo­kra­tie, Gleich­heit, Rechts­staat­lich­keit und die Wah­rung der Men­schen­rech­te, auch die von Minderheiten. 

Noch.

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