Demokratie ist kein Selbstläufer

Ges­tern habe ich einen Film gese­hen, in dem der Haut­dar­stel­ler zum Schluss des Films in einem Unter­su­chungs­ver­fah­ren mit einer klei­nen Lüge die Ankla­ge zu sei­nen Guns­ten hät­te ent­schei­den kön­nen. Er tat es nicht, er sag­te die Wahr­heit und ist im Anschluss zu fünf Jah­ren Haft ver­ur­teilt worden. 

Es war ein Film – ob ein Ver­fah­ren im wah­ren Leben auch so aus­geht, sei dahingestellt. 

Inter­es­sant ist, dass heut­zu­ta­ge die Unwahr­heit etwas ist, was in der Gesell­schaft trotz Offen­kun­dig­keit nicht nur tole­riert, son­dern akzep­tiert wird. Bis vor ein paar Jah­ren galt: Wer ein­mal lügt, dem glaubt man nicht. Mit Auf­kom­men des Rechts­po­pu­lis­mus in Deutsch­land, Euro­pa und den USA scheint das nicht mehr zu gelten. 

Der Chef­re­dak­teur der New York Times berich­te­te in einem Inter­view, sei­ne Zei­tung wür­de umfang­reich inves­tie­ren müs­sen, da man mit der Rich­tig­stel­lung der vie­len Unwahr­hei­ten aus dem wei­ßen Haus nicht mehr hin­ter­her käme. 

Auch in Deutsch­land nutzt die rechts­kon­ser­va­ti­ve AFD Twit­ter und Face­book oder das Fern­se­hen um Halb­wahr­hei­ten und Lügen zu verbreiten. 

Eine Unter­su­chung von Stu­den­ten aus dem Jahr 2016 kam sogar zum Schluss, dass jede sieb­te Behaup­tung von AFD-Che­fin Frau­ke Petry falsch sei.

Klar das alle rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en die Medi­en ger­ne als Lügen­pres­se beschimp­fen — wer möch­te schon ger­ne so oft der Falsch­aus­sa­ge über­führt werden. 

Einen Teil der Bevöl­ke­rung indes ficht das nicht an. Selbst mit stich­hal­ti­gen Argu­men­ten ist den „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“,Phrasendreschern nicht beizukommen. 

Den­je­ni­gen, denen die frei­heit­lich demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung zu kom­plex erscheint, sind oft­mals bereit Unwahr­hei­ten zu akzep­tie­ren, wenn sie sich nur in ihrer gefühl­ten Wahr­heit bestä­tigt wissen. 

Die­se Art der Mani­pu­la­ti­on ist nichts Neu­es, alle Extre­mis­ten haben sich ihr bedient, um dem Ziel eines tota­li­tä­ren Regimes näher zu kommen. 

Es soll­te allen eine War­nung sein, wenn poli­ti­sche Par­tei­en die freie Pres­se ableh­nen, oder die Ver­fas­sung in Fra­ge stel­len.

Deutsch­land hat mit tota­li­tä­ren Staats­sys­te­men eigent­lich genug Erfah­rung gesammelt.

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