Einkaufen auf Autopilot

Der Mensch ist in der Lage, wiederkehrende Tätigkeiten so tief im Unterbewusstsein abzuspeichern, dass wir sie ohne große Überlegungen ausführen können. Diese Autopilotfunktion hilft, um z.B. beim Einkauf nicht zu bemerken, wie langweilig der im Grunde ist.

Wobei das längst nicht für alle gilt, es soll Menschen geben, die im Einkauf eine Art Sinn entdecken, beispielsweise um die soziale Interaktion aufrecht zu erhalten.

Mrs. L. behauptet allerdings, dass meine soziale Interaktion darin bestünde, an Menschen die mich ansprechen, mit gemurmelten Belanglosigkeiten vorbei zu gehen.

Aber das ist wieder etwas anderes.

Jedenfalls hilft die Routine des oft frequentierten Regals mit immer der gleichen Ware, die lästige Pflicht des Einkaufens erträglich zu machen; das Hirn schaltet auf Autopilot und ich werfe mechanisch alles für den Haushalt notwendige in einer Art automatischer Steuerung in den Einkaufswagen. Derweil kann sich das Hirn gedanklich mit anderen Dingen beschäftigen – Monotonieresistenz heißt das in der Psychologie.

Das funktioniert allerdings nur solange, wie die äußeren Umstände gleich sind. Auf das Einkaufsverhalten bezogen: Solange sich die Ware immer an dem Ort des Erinnern befindet, ist alles in Ordnung. Nun haben Supermärkte die Angewohnheit alle im Laden befindlichen Waren von Zeit zu Zeit komplett umzuräumen und so mein kognitives Navigationssystem erheblich zu stören und meine Laune zu senken.

Die Umräumaktion der Supermärkte ist weder Zufall noch Renovierungsarbeiten geschuldet, sondern das Ergebnis teurer Filialleiterseminare. Es soll nämlich, in der Hoffnung die Aufmerksamkeit des Kunden auf die noch anderen Produkte im Laden lenken zu können, der Autopilot beendet werden.

Mrs. L. meint, ich solle meine kognitiven Restfähigkeiten dazu nutzen, dem Filialleiter des Ladens meinen Unmut über derlei Unsinn mitzuteilen; Meckern könnte ich schließlich noch besser als auf Autopilot einzukaufen.