Hochsitz für Betagte

Ich bin immer noch überfordert, zu erkennen, was der Nutzwert eines Autos sein soll, das eigentlich für die russische Steppe gebaut worden ist und meiner Meinung nach hier so fehl am Platz ist wie ein drittes Auge im Gesicht.

Ja gut, wir wohnen an einem Feldweg und da wäre mindestens der Ansatz eines geländegängigen Autos vielleicht noch erklärbar.

Was mir tagtäglich hier entgegenkommt, ist mit dem Begriff Geländegängigkeit allerdings nur unzureichend beschrieben.

Monster auf 21 Zoll Felgen, allradangetrieben mit Differenzialsperre und eingehaustem Unterboden aus Blech. Diese Autos sind dafür gemacht, sich durch hüfthohe Schlammareale zu wühlen, oder im Winter einen Weg durch Jakutien zu fräsen.

Die Fahrer, in diametral verlaufender Anlehnung an die Robustheit ihrer Fahrzeuge, sehen indes oftmals so aus, als würden sie einem beim Öffnen der Autotür altersgeschwächt direkt auf den Asphalt knallen.

So ein Trumm benötigt von den Ausmaßen die gesamte Breite des Feldwegs.

Im Grunde genommen könnte so ein Fahrzeug, das für Wattiefen bis zu einem halben Meter gebaut ist, durchaus durch den für Fahrzeuge dieser Art lächerlich niedrigen Graben auf’s Feld ausweichen, um von dort querfeldein nach Hause zu kommen.

Offensichtlich misstrauen jedoch die Besitzer den technischen und physikalischen Fähigkeiten ihres Fahrzeugs.

Von ihrem Hochsitz aus, lenken die Fahrzeughalter ihre SUV’s penibel direkt so, als ob es durch vermintes Gelände ginge; ohne Angrenzung der Reifen an den anliegenden Grasstreifen.

Das Netzkind vermutet altruistische Beweggründe: “Die wollen bestimmt nur keine Gänseblümchen plattfahren.”