McCartney oldschool

„Du musst Chromdioxid nehmen, die anderen taugen nichts“, war die gängige Meinung von uns im Teenageralter, was die Tontechnik Ende der siebziger Jahre betraf.

Gemeint waren Musikkassetten, die wir aufgrund der finanziellen Situation mit Aufnahmen aus dem Radio bespielten. Natürlich ging es für auch immer um die Qualität der Aufnahme; ganz so einfach war das nicht, denn das was uns damals als Equipment zur Verfügung stand war doch eher bescheiden.

Tatsächlich bestand die Ausrüstung zumindest in den Anfängen aus einem tragbaren Kassenrecorder ausgestattet mit einem Mikrofon, das wir an den Lautsprecher hielten, um die legendäre Radiosendung „Mal Sandocks“ Hitparade aufzunehmen.

Das gelang mal mehr mal weniger gut, weil entweder die kleine Schwester ins Zimmer stürmte, oder Mal Sondock etwas zu verkünden hatte – beides fand sich natürlich in der Aufnahme wieder und konnte – so es denn der Aufruf der kleinen Schwester zum Abendessen war – für Heiterkeit bei einer der nächsten Kellerfeten mit Abspielen des Aufgenommenen führen.

Wir Jungs hatten übrigens immer dafür gesorgt, dass Paul McCartneys Mull of Kintyre mindestens drei Mal pro Kassettenseite aufgenommen wurde, da die Mädels zu diesem Song immer besonders anhänglich waren. Das es bei dem Song um einen Landstrich in Schottland ging, war uns nicht bewusst.

In der Endphase der Produktion jedenfalls wurden die aufgenommenen Musikkassetten beschriftet, was sich als schwierig erwies, da die Hülle nicht genug Schreibuntergrund für lange Texte bot. Das führte in Folge zu verkürzten Inhaltsverzeichnissen: Partyhits war demnach die Beschriftung für alle Inhalte.

Manchmal jedoch machten wir uns die Mühe in kleinstmöglicher Schrift Aufgenommenes außen auf der Hülle zu dokumentieren – meist war das der Fall um Sympathie beim anderen Geschlecht zu dokumentieren. Traf man dann noch den Musikgeschmack der Auserwählten, war der Rest ein Selbstläufer.

Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, der Erfinder der Musikkassette ist gestorben:

An der Stelle meinen Dank an Lou Ottens für viele wunderbare Kellerpartys im Teeniealter.