Neue Deutsche Welle

Angelehnt an den Artikel bei Spreeblick zur Musik der 80er Jahre, habe ich mich mal aufgemacht um zu gucken, wie viel Bands damals auf die neue Deutsche Welle aufsprangen. Bei Wikipedia bin ich fündig geworden, habe allerdings bei 100 Bands aufgehört zu zählen. Grauselig. Die Neue Deutsche Welle hatte ihre Anfänge Ende der siebziger und ihren Höhepunkt Anfang der 80er Jahre. Also genau zu der Zeit in der mein Jahrgang mitten in der Pubertät steckte und Musik eigentlich unsere sozialkritische Einstellung festigen sollte. Das tat die Neue Deutsche Welle natürlich nicht, denn Lieder wie die von der Band „Geier Sturzflug“ mit „Bruttosozialprodukt“ konnte man eher getrost dem Genre Karnevalslieder zuordnen, als das sie die den Teenagern eigenen Protestcharakter in irgendeiner Form zu manifestieren vermochte. Bands wie Extrabreit oder Ohrwürmer wie Skandal im Sperrbezirk der Spider Murphy Gang, Joachim Witts „goldener Reiter” oder Falcos Kommissar schafften es damals trotzdem auf den heimischen Plattenteller.

Vielleicht ist die Generation deshalb so angepasst und bieder, weil ein großer Teil der uns prägenden Musik anders als der Rock’n Roll eben nicht als Protest verstanden werden wollte? Wir wollten nur Spaß.

Oder wie Florian Illies so treffend beschrieb:

„Noch ahnte man nicht, dass man einer Generation angehört, für die sich leider das ganze Leben, selbst an Montagen, anfühlte wie die träge Bewegungslosigkeit eines Sonntagnachmitags“

We are all sitting in one boat

Für Ministerpräsident Günter Oettinger ist augenscheinlich kein Fettnapf klein genug, als das er nicht doch hineintappt. In einem Interview im November 2005 vekündete der designierte EU-Kommissar:

“Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“

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Große Geschenke erhalten große Freundschaften

Der FDP kann man alles mögliche vorwerfen, aber bestimmt keine Inkonsequenz. Die freien Demokraten hatten eine Parteispende in Millionenhöhe von einer Firma erhalten, die zum Imperium der Familie Finck gehört. Die Familie Finck ist Miteigentümerin der Mövenpick Gruppe, die in Deutschland 14 Hotels betreibt.

In Folge des großen Geschenks, erwirkte die FDP vergangenen Oktober die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent.

Reine Klientelpolitik? Natürlich, für nichts anderes steht die FDP, aber nicht nur im Lager der „Partei der Besserverdienenden“ ist die Klientelpolitik zu Hause. Denn – Klientelpolitik sichert das Überleben einer Partei.

Eine Partei kann nicht allen Gesellschaftsschichten dienlich sein, dafür sind die Gesellschaftsstrukturen zu vielfältig und ihre Interessen laufen teilweise diametral. Was den einen stärkt, wird den Anderen schwächen. Ein Unternehmer wird kein Interesse an der Erstarkung der Gewerkschaften haben, die Atomlobby kein Interesse an Subventionen für erneuerbare Energien usw. usf.

Das heißt, jede Partei wird sich ihre Klientel suchen müssen und sie bedienen, wer sich von der Klientelpolitik verabschiedet, wird nicht mehr gewählt. Das musste die SPD unter Gerhard Schröder schmerzlich erfahren, die sich von ihrer Klientel, den Arbeitern, mit der Agenda 2010 und insbesondere der Reformierung der Arbeitslosenhilfe, verabschiedete.

Das überraschende Ergebnis der FDP bei der Bundestagswahl eben nicht nur von ihrer Klientel gewählt geworden zu sein und damit fast 15 Prozent der Stimmen bekommen zu haben, ist einzig und allein der rhetorischen Begabung ihres Parteichefs zu verdanken – und der Unfähigkeit eines Teils der (Neu)Wählerschaft der FDP den Zusammenhang zwischen Steuern und Gemeinwohl (und damit des eigenen Wohles) zu erkennen. Aus diesem Grund konnte Westerwelle mit dem Slogan: “Mehr Netto vom Brutto, Arbeit muß sich wieder lohnen” punkten. Konsequenter Weise bedient die FDP nach ihrem Wahlsieg wieder ihre Klientel. Das muss sie auch, denn spätestens wenn Bund und Kommunen gezwungen sind, die von der FDP versprochene Steuerentlastung von bis zu 35 Millionen Euro und damit Steuerausfälle in dieser Höhe durch Gebührenerhöhungen zu kompensieren und sich die vermeintliche Steuerentlastung der FDP als Danaergeschenk erweist, ist anzunehmen, dass die Neuwählerschaft der FDP den Rücken kehrt. Die eigentliche Klientel wird allerdings weiterhin FDP wählen, denn sie kann sich der Zuwendung ihrer Partei sicher sein, das haben die Liberalen ja gerade beweisen.

Insofern ist die Partei um Guido Westerwelle konsequenter als andere Parteien.

Wer als Partei allerdings so offensichtlich Klientelpolitik betreibt wie das die FDP tut, muss zumindest mit Spott rechnen.

Dieter Wedel – Gier

Ein charmanter, stets in weißem Anzug gekleideter Hochstapler und die betrogene Hamburger Schickeria im Dauerrausch. Angelehnt an die wahre Geschichte des Hochstaplers Jürgen Harksen, der Ende der 80er Jahre zahlreiche Geldanleger mittels Schneeballsystem betrogen hatte, lief gestern Abend die Erstausstrahlung des neuen Films „Gier“ von Dieter Wedel.

Dieter Glanz, gespielt von Ulrich Tukur, hat sich einen Namen als großer Finanzjongleur gemacht. Er verspricht Anlegern aberwitzige Renditen, die er auch anfangs aufgrund des inszenierten Schneeballsystems an einige Geschäftspartner auszahlen kann. Förmlich geblendet vom Versprechen der sorgenfreien Zukunft, geben ihm die Anleger gern ihr Geld, schließlich zählen Dieter Glanz’ Kunden zu den Auserwählten. Doch als sich die Auszahlung des versprochenen Gewinns verzögert, werden seine Geldgeber misstrauisch. Schnell zaubert Glanz einen Steuerbescheid aus dem Hut. Zu dem Zeitpunkt ist Glanz bereits nach Südafrika geflohen, wo er zeitweilig die Gemüter noch einmal mit rauschenden Festen beruhigt.

Ein wenig mehr Tiefgang und analytische Schärfe hätte der Gesellschaftskomödie gut getan. Das Wedel das kann, hat er nicht nur in der Komödie: „Wilder Westen inklusive“ oder beim großen Bellheim bewiesen. Offen blieb, warum sich die Betrogenen zu keiner Zeit Gedanken darüber machten, wie denn die wundersame Geldvermehrung funktioniert. Oder lassen sich reiche Geschäftsleute tatsächlich von Champus, Hummer und Nutten dermaßen korumpieren, dass ihr Verstand aussetzt? Das wird wohl das Geheimnis des echten Hochstapler Jürgen Harksen bleiben. Wedel indes distanziert sich nach Filmende mit dem schönen Satz:

Handlungen und Personen des Films sind rein fiktiv. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen wären rein zufällig.

„Gier“ von Dieter Wedel am 20. und 21. Januar um 20.15 Uhr in der ARD.