Umzug zu Mastodon

Ist es wichtig bei Twit­ter, Insta­gram und Co zu sein? Nein ist es nicht, aber manch­mal ganz witzig. Mal davon abge­se­hen, dass uns daten­schutztech­nisch auf den Sozialen Net­zw­erken die Hosen aus­ge­zo­gen wer­den, erstreckt sich allerd­ing der der Mehrw­ert anson­sten doch eher auf eine Hand­voll lesenswert­er Beiträge. 

Nach­dem sich nun Twit­ters neuer Chef Elon Musk auf­führt wie Rumpel­stilzchen auf Speed, habe ich mich entschlossen nach Mastodon zu wech­seln — Open Source und Werbefrei. 

Kirmeszeit

Seit Jahren sind Mrs. L und ich schon nicht mehr auf ein­er Kirmes gewe­sen, bis gestern. Mrs. L bestand auf einem Besuch der Lipp­städter Herb­stkirmes. Vor­sor­glich wies ich Mrs. L darauf hin, dass die Bewe­gun­gen hydraulik­be­trieben­er Kirmes­maschi­nen und eine begin­nende Auflö­sung struk­tureller, ehe­dem geord­neter Struk­turen in eine amor­phe Masse, die der Kör­p­er ana­log zum Alter so mit sich bringt, nicht zusammenpassen. 

Mrs. L glaubte mich mit den Worten: „Wir wer­den schon was find­en, wo Du lebend wieder rauskommst“ beruhi­gen zu kön­nen. Weit gefehlt. 

Auf dem Kirme­s­platz angekom­men, steuerte ich ziel­stre­big, Mrs. L an der Hand, das mir am ver­trauensvoll erscheinende Karusell an. Indes, beim Näherkom­men ent­pup­pte sich das Ding nur für die Allerkle­in­sten; ein Schild am Ein­gang wies auch ein­drück­lich darauf hin: Nur für Kinder bis zum 6. Lebensjahr. 

Mrs. L hinge­gen schien sichtlich begeis­tert, wohl weniger ob der Karusel­lvielfalt, als der Tat­sache, dass ich immer nervös­er die Karusell­maschi­nen begutachtete, die offen­sichtlich dazu gedacht waren alte Leute dauer­haft zu ver­biegen und die Ein­nah­me­quelle sämtlich­er ansäs­siger Orthopä­den im Umkreis waren. 

Schon Hegel wusste, dass die Ver­nun­ft die Welt beherrscht. In unserem Fall in Form ein­er Chinabude, die köstliche Nudel­gerichte zu kleinen Preisen anbot und der Ein­sicht, zugun­sten eines Essens auf andere Kirme­sak­tiv­itäten zu verzichten. 

Die Deindustrialisierung der Bundesrepublik

„Wenn ein Kolo­nial­waren­händler in seinem kleinen Laden so viele Dummheit­en und Fehler machte wie die Staatsmän­ner und Gen­eräle in ihren großen Län­dern, wäre er in spätestens vier Wochen bankrott.“ [Erich Kästner]



Der Wäh­ler ist lei­der ein vergesslich­es Wesen und das weiß beispiel­sweise der Oppo­si­tions­führer der CDU, Friedrich Merz, natür­lich auch. So forderte Merz im Früh­ling 2022 rus­sis­che Gasliefer­un­gen durch die Pipeline Nord Stream 1 sofort zu stop­pen. Eine Ein­schränkung der Gasver­sorgung müsse man akzep­tieren, schwadronierte der selb­ster­nan­nte Wirtschaft­sex­perte lau­thals. Merz war nicht der einzige Poli­tik­er, der durch diese Fehlein­schätzung die Bun­desre­pub­lik ein­er Rezes­sion näher gebracht hat. 

Parteifre­und Röttgen „appel­lierte“ zur gle­ichen Zeit eben­falls an die Bun­desregierung, die Gas- und Ölimporte aus Rus­s­land „jet­zt“ zu stop­pen. Es sei möglich, die aus­bleiben­den Gasliefer­un­gen durch Gasvor­räte bis zum näch­sten Win­ter zu erset­zen. Auch die FDP, son­st Liebling der Wirtschafts­bosse forderte einen sofor­ti­gen Gasstopp aus Rus­s­land. Allen voran Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann, die sein­erzeit die Dro­hung des rus­sis­chen Präsi­den­ten zur Abschal­tung von Nord-Stream 1 gar als Verzwei­flung­stat auf­grund der Auswirkun­gen in seinem Land inter­pretierte.

Die Liste der Fehlannah­men von Poli­tik­ern kön­nte noch seit­en­weise weit­erge­führt wer­den. Aber natür­lich kann man nicht einzel­nen Poli­tik­ern die Schuld für die großen wirtschaftlichen Ver­w­er­fun­gen geben, wohl aber muss eine gewisse Weit­sicht denen zu eigen sein, die über Wohl und Wehe eines ganzen Staates bes­tim­men oder doch zumin­d­est mitbestimmen. 

Poli­tik­er brauchen keine beson­deren Befähi­gun­gen, um ihr Amt auszuführen. Aber wer dazu beiträgt mit unerträglichem Geschwätz Poli­tik mitver­ant­wortlich so zu gestal­ten, dass den Bürg­erin­nen und Bürg­ern in ihren Auswirkun­gen großen Schaden zufügt wird, der sollte zurücktreten. 

Oft­mals jedoch wer­den poli­tis­che Rück­tritte aus­gerech­net von den Poli­tik­ern gefordert, die sich im Nach­hinein in ihrer Aus­sage als tre­ff­sich­er bewiesen. Rück­tritts­forderun­gen von Wirtschaftsmin­is­ter Habeck, weil der vielle­icht etwas unglück­lich einen zeitweisen Pro­duk­tion­sstill­stand richtiger­weise nicht mit ein­er Insol­venz gle­ich­set­zt, zeu­gen nicht nur Charak­ter­ver­fehlun­gen son­dern erhe­blichen Wis­senslück­en in Wirtschafts­fra­gen, die der Wäh­ler bei der näch­sten Wahl entsprechend würdi­gen sollte. 

Tat­säch­lich war es Wirtschaftsmin­is­ter Habeck, der in dem Monat der sich über­bi­etenden Rufe nach einem sofor­ti­gen Stopp der Gasim­porte bere­its im März vor schw­er­sten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fol­gen für die Bun­desre­pub­lik warnte.

Ach und falls es noch nicht ganz so bekan­nt ist, was die Befür­worter von „Stoppt die Gasim­porte sofort“ und dem dann tat­säch­lichen Import­stopp durch Putin erre­icht haben, sei ein Blick in diese Liste emp­fohlen.

Wohnung kalt — Fabrikhallen leer?

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

Hohe Energiekosten – erste Unternehmen stellen Pro­duk­tion ein
[Jan­u­ar 2022] 


Wegen hoher Energiepreise: Fir­men drosseln Produktion
[Juli 2022] 


Hohe Energiekosten: 16 Prozent der Unternehmen stop­pen Pro­duk­tion oder schränken Geschäft ein
[Juli 2022] 


Stark gestiegene Energiepreise gefährden Pro­duk­tion in Deutschland
[Juli 2022] 


Indus­trie warnt: Hohe Energiepreise gefährden Exis­tenz von Unternehmen
[Sep­tem­ber 2022] 


Arcelor­Mit­tal stellt Pro­duk­tion in Ham­burg und Bre­men ein

[Sep­tem­ber 2022] 


Hak­le meldet Insol­venz an

[Sep­tem­ber 2022] 


.... to be continued

BTW:
Kleine Durch­sage von :
Annale­na Bearbock

Krieg ist immer ein politischer Akt

Na das hat ja nicht lange gedauert. Ich war wirk­lich ges­pan­nt, wer sich wohl als erstes aus der Deck­ung wagt und den Ein­satz von Boden­trup­pen für die Unter­stützung des Kriegs in der Ukraine fordert. Aus­gerech­net die TAZ veröf­fentlichte einen Kom­men­tar des Pub­lizis­ten Udo Knapp, der neben­bei bemerkt, als 1945 Geboren­er eigentlich noch wis­sen müsste, dass mit ein­er Ent­gren­zung des Krieges eine Befriedung nicht her­beizuführen ist. Das Gegen­teil ist der Fall. 

Dabei ist Knapp einem Trugschluss aufge­sessen, den viele Anhänger des Bel­lizis­mus als Legit­i­ma­tion für eine mil­itärische Ein­mis­chung in das Kriegs­geschehen nutzen: Der Ukraine-Krieg diene Putin nur als Zwis­chen­ziel zur voll­ständi­gen Ver­nich­tung des West­ens. Diese Erzäh­lung eignet sich eben­falls dazu, dem Sou­verän aufk­om­mende „Kriegsmüdigkeit“ zu verleiden. 

In der Logik des TAZ Pub­lizis­ten kann diese Entwick­lung nur gestoppt wer­den, wenn west­liche Boden­trup­pen an der Seite der ukrainis­chen Armee in das Kriegs­geschehen aktiv ein­greifen, de fac­to wäre das die offizielle Kriegserk­lärung gegen Russland.

Bish­er ist das nur eine Mei­n­ung, wobei ich ver­mute, dass die selb­ster­nan­nten Mil­itär­ex­perten der poli­tis­chen Bühne min­destens gedanklich im stillen Käm­mer­lein auch bere­its diese Option in Erwä­gung gezo­gen haben.

Ins­beson­dere die Grü­nen haben dabei eine erstaunliche Meta­mor­phose hin­ter sich. Von ein­er Partei, dessen Grund­satzpro­gramm sich aus der paz­i­fistis­chen Bewe­gung der achtziger Jahre speiste hin zur kriegs­führen­den Regierung, das muss man erst mal schaf­fen, ohne sich als Partei selb­st auszuradieren. 

„Keine Waf­fen und Rüs­tungs­güter in Kriegs­ge­bi­ete. Grün wählen!“, skandierten die Grü­nen noch bis vor kurzem. Aber ja, die weißen Tauben sind müde und Paz­i­fis­ten sind Spin­ner. Bei so viel Wan­del wer­den feuchte Träume bei denen wahr, die die rhetorische Frage zum total­en Krieg mit ein­er Gänse­haut auf dem Unter­arm quit­tiert wissen. 

CDU-Mann Nor­bert Röttgen hielt im Zusam­men­hang mit dem Irak-Krieg Waf­fen­liefer­un­gen in akute Kriegs­ge­bi­ete noch im Jahr 2014 für höchst prob­lema­tisch. Aber was inter­essiert einen Poli­tik­er sein Geschwätz von gestern, wenn es darum geht Teil ein­er poli­tis­chen Elite zu sein, die in ihrer Vorstel­lung von einem gerecht­en Krieg die Welt vom Teufel befreit?

Seit über 75 Jahren herrscht in Mit­teleu­ropa Frieden. Das scheint zu lang zu sein, dass sich das Volk daran erin­nert was Krieg bedeutet. Vielle­icht hil­ft die Erin­nerung an ein Zitat von August Bebel:

„Nicht die Völk­er sind es, die kriegslüstern sind…“

Tour de Ruhr

Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute vor der Haustür liegt. Urlaub im Ruhrge­bi­et, vor ein paar Jahren noch wäre das eher als Witz denn als ern­st­ge­meinte Alter­na­tive durchge­gan­gen. Heute allerd­ings lädt die Ruhr an den Ufern zum Ver­weilen ein. Der Baldeney­see als der größte von ins­ge­samt sechs Stauseen im Ruhrge­bi­et bietet alles, was man an Wasser­sport so antellen kann. Mit dem Fahrrad ist die Metro­pole vom Sauer­land aus durch den Ruhrtal Rad­weg verbunden. 

Die Hotels und Gasstät­ten an der Ruhr haben sich inzwis­chen auf die zahlre­ichen Rad­fahrer eingestellt und bieten Unter­stell — und Lademöglichkeit­en für das Fahrrad (soweit mit Motor).

Rund um den Baldeney See ver­läuft der Fahrrad­weg so flach, dass er allerd­ings auch ohne Motor zu bewäti­gen ist. Auch kuli­nar­isch hat das Ruhrge­bi­et einiges zu bieten. Natür­lich gibt es neben der hohen Küchenkun­st noch die uri­gen Kneipen, wo der Wirt Fra­gen nach der Tageskarte mit dem Hin­weis auf Omas Frikadellen beant­wort und die Nach­frage nach einem Brötchen zusät­zlich mit “Ist schon mit drin”. 

Als Sauer­län­der weiß man allerd­ings auch, dass Kneipen gegen den Durst erfun­den wur­den. Mit dem Fahrrad ist man direkt und schnell vor dem Ort möglich­er Sehenswürdigkeit­en, The­men­schw­er­punk­te der Route Indus­triekul­tur liegen eben­falls an der Strecke und sind entsprechend ohne lästige Park­platz­suche zu bewerkstelligen. 

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Wahr und Unwahr

Wahr ist, dass durch die restrik­tiv­en Maß­nah­men gegen Rus­s­land im Bere­ich Energiev­er­sorgung, die Gefahr ein­er weit­ge­hen­den Dein­dus­tri­al­isierung der BRD denkbar ist.

Unwahr ist, dass die Amerikan­er bere­its den Deutschen ange­boten haben, Arbeit­splätze durch die ver­mehrte Auf­stel­lung von McDonald‘s Buden zu schaffen.

Unwahr ist eben­falls die Begrün­dung, der deutsche Mit­tel­stand könne sich vernün­ftige Nahrung in Zukun­ft eh nicht mehr leis­ten und so würde man zwei Fliegen mit ein­er Klappe schla­gen: Bil­lige Nahrung und bil­lige Arbeitsplätze. 

Wahr ist, dass die deutsche Autoin­dus­trie die Trans­for­ma­tion auf E‑Autos weit­ge­hend abgeschlossen hat. 

Wahr ist auch, dass die Entwick­lung und Fer­ti­gung effizien­ter und schad­stof­farmer Ver­bren­nungsmo­toren weit­er­hin in Indi­en, Chi­na, Südameri­ka und den USA geplant ist. Wahr ist auch, dass die Pro­duk­tion dem Markt folgt. 

Unwahr ist, dass die Bun­desregierung die Abwan­derung der deutschen Autoin­dus­trie in diese Län­der mit üppi­gen Sub­ven­tio­nen fördert. 

Wahr ist, dass niemals so viel gel­o­gen wird, wie vor den Wahlen und während eines Krieges.

Wahr ist auch, dass der britis­che Poli­tik­er und Frieden­sak­tivist Lord Arthur Pon­son­by (1871–1946), von dem das berühmte Zitat stammt:“Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, Struk­turele­mente über die Prinzip­i­en der Pro­pa­gan­da beschrieben hat. 

Unwahr ist, dass diese Regeln als Lehr­ma­te­r­i­al für die Aufdeck­ung von Kriegspro­pa­gan­da an den Jour­nal­is­ten­schulen gelehrt würden.