Künstliche Verknappung

Das jüngs­te Netzkind kommt zum Essen. Mit ihren acht Jahren zählt alles, was grün ist, nicht gera­de zur Lieblingsspeise. Kartoffeln ver­schmäht sie eben­falls, außer in Form von Fritten. Als Großonkel bin ich in kei­ner­lei Erziehung invol­viert, das Netzkind weiß also, dass es eine gewis­se Sicherheit für die Duldung non­kon­for­men Verhaltens gibt, das gilt auch für’s Essen. Böse Zungen behaup­ten gar, ich wür­de absicht­lich ver­su­chen, anar­chis­ti­sche Umtriebe beim Kind zu wecken. 

Der Gedanke jeden­falls, dem Kind ein Taschenmesser schen­ken zu wol­len und der stän­di­ge Hinweis auf eine zeit­lich nicht mehr so ent­fern­te Moppedzeit und Tipps zum Vortäuschen der hei­mi­schen Anwesenheit, obwohl man doch auf einer Fete ist, trägt nach Meinung der Mutter des Netzkindes, mei­ner Nichte, nicht gera­de dazu bei, ihre Vorstellungen von einem kreuz­bra­ven Kind umzu­set­zen. Aber das ist wie­der etwas anderes.

Das Netzkind jeden­falls weiß, dass sie bei mir Fritten und als Nachtisch Eis bekommt. Als Reaktion auf die Nachlässigkeit beim Essen ließ ich mich dann doch zu Sanktionen beim Nachtisch hin­rei­ßen, indem ich dem Netzkind nur die Hälfte der Portion von allen ande­ren gab. Empört gab das Netzkind kund, dass es sich von mir ver­arscht füh­le. [sic!]

Entrüstung aller Anwesenden indes gab’s nur in mei­ne Richtung – mit dem deut­li­chen Hinweis offen­sicht­lich ver­fehl­ter, vom Großonkel über­nom­me­ner sprach­li­cher Nachlässigkeiten. 

Nervige Anrufe

Früher war das Haustelefon etwas beson­de­res. Es war von der Post gemie­tet, es gab die Farben grau, oran­ge und grün zur Auswahl, wur­de oft­mals mit einem Brokadbezug bedacht und hat­te – zumin­dest bei uns zu Hause – ein Schloss in der Wählscheibe, um die Jugend vor all­zu viel Schwatzhaftigkeit abzu­hal­ten, schließ­lich kos­te­te eine Minute tele­fo­nie­ren in der dama­li­gen Zeit um die 30 Pfennige. Wenn es klin­gel­te, war das oft mit schlech­ten Nachrichten ver­bun­den, ein­fach mal so anru­fen, das war verpönt. 

Auch für die ande­ren Nachrichten per Telefon gab es Verhaltensregeln, man rief z.B. nicht in der Zeit um 20.00 Uhr an, denn dann lief die Tagesschau. Nach der Tagesschau wur­de nur zu wirk­lich wich­ti­gen Zwecken tele­fo­niert. Morgens durf­te ab 08.00 Uhr tele­fo­niert wer­den, am Wochenende erst ab 10.00 Uhr, zu den Essenszeiten galt eben­so Telefonverbot wie in der Zeit der Mittagsruhe. Im Grunde beschränk­te sich damit das Telefonzeitfenster auf weni­ge Stunden täg­lich, ansons­ten blieb das bro­kat­be­deck­te Gerät im Flur oder im Wohnzimmer still. 

Heute ist das Telefon eine Spamschleuder, klin­gelt zu den unmög­lichs­ten Zeiten und der oder die Anrufer wer­ben mit allem mög­li­chen und füh­ren auch sonst nichts Gutes im Schilde. 

Abhilfe schafft die Fritzbox. In der Weboberfläche der Fritzbox las­sen sich gezielt Telefonnummern sper­ren. Beim Angerufenen bleibt das Telefon dann stumm. Allerdings hört der Anrufer immer noch ein Freizeichen. 

Für beson­ders hart­nä­cki­ge Anrufer emp­fiehlt sich die Umleitung an eine der bekann­ten Abwimmelhotlines wie der von frankgehtran.de.

Es sei denn, sie möch­ten ihre Schwiegermutter jemand ande­res ärgern, dann lei­ten Sie per Fritzbox alle bekann­ten Spamanrufe an die­se Telefonnummer weiter. 

Immer noch Winter

Es scheint ein schnee­lo­ser Winter zu wer­den. Im Gegensatz zu letz­tem Jahr hat Frau Holle die­ses Jahr wohl geschlossen;-)

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Wahr und Unwahr

Wahr ist, dass der aus sei­ner Partei aus­ge­tre­te­ne Ex-AFD Chef Meuthen der AFD tota­li­tä­re Ansätze beschei­nigt und ihr damit end­gül­tig den Nimbus einer bür­ger­li­chen Partei genom­men hat. 

Unwahr ist, dass das der AFD gescha­det hätte. 

Wahr ist, dass Erika Steinbach einen Antrag auf Mitgliedschaft in der AFD gestellt hat.

Unwahr ist, dass die Rechtsausleger Hans-Georg Maaßen, Thilo Sarrazin und Max Otte gleich­sam um eine Aufnahme in die AFD gebe­ten hätten. 

Wahr ist, dass Bundeskanzler Scholz oft­mals viel redet und wenig sagt.

Unwahr ist, dass er das bei Willi Brandt gelernt hätte.

Wahr ist, dass es ein Grundsatz der Bundesrepublik ist, kei­ne Waffen in Krisengebiete zu liefern.

Unwahr ist, dass es ein Grundsatz der Bundesrepublik ist, kei­ne Waffen in Krisengebiete zu liefern.

Die Selbstverständlichkeit des Bösen

Vor acht­zig Jahren, am 20. Januar 1942 tra­fen sich mit 15 füh­ren­den Nationalsozialisten eini­ge der wohl größ­ten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, um die Endlösung der Judenfrage zu orga­ni­sie­ren. Was so büro­kra­tisch klingt und im übri­gen wohl auch von den Nazis als rei­ner Bürokratieakt ange­se­hen wor­den ist, war nichts ande­res als die Ermordung und Ausrottung von Millionen von Menschen ande­ren Glaubens. 

Bei Schnittchen und Cognac traf sich die Abordnung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichsregierung und der SS-Behörden zur berüch­tig­ten Wannseekonferenz, um die Zusammenarbeit des Genozides zu koor­di­nie­ren. Die Konferenz ist bereits nach den gefun­de­nen Protokollen fil­misch auf­ge­ar­bei­tet wor­den; am Montag zeigt das ZDF eine wei­te­re neue­re Fassung der Mordkonferenz, wobei bereits der Fernsehfilm aus dem Jahre 1984 scho­ckie­rend genug ist. 

Vielleicht wäre das Filmmaterial etwas für zukünf­ti­ge AFD-Parteitage, ich kann mir jeden­falls nicht vor­stel­len, dass Meuthen und Gauland sich danach noch ein­mal für die Entsorgung von Menschen aus­spre­chen, jeden­falls nicht öffentlich. 

Alle ver­füg­ba­ren Dokumente der Wannseekonferenz sind auf den Seiten der Gedenk-und Bildungsstätte Haus Wannsee abrufbar. 

Das ZDF zeigt den Film am Montag, den 24.01.2022 um 20.15 Uhr im TV.

Einführung in das Verkehrsrecht

Mrs. L ist in die Falle getappt. In die Verkehrsfalle. In die­sem Zusammenhang in Form einer gesperr­te Straße mit Präsenz der Ordnungshüter vor Ort. Ausgerechnet die Straße, die sozu­sa­gen als Heimweg für uns seit Jahrzehnten gesetzt ist. Nun ist die Sperrung nichts Neues. Die Straße ist ein bes­se­rer Feldweg, der von den Behörden auf­grund der Verkehrssicherungspflicht gesperrt wor­den ist. Anlieger indes haben ein „Wegerecht“, der die ord­nungs­wid­rig­keits­freie Nutzung bis nach Hause ermöglicht. 

Allein — unser Haus liegt hin­ter dem Schild, das heißt, rein recht­lich sind wir kei­ne Anlieger mehr. Ich sel­ber hat­te das bereits durch die Zahlungen meh­re­rer Bußgelder prak­tisch erfah­ren müs­sen. Mein Hinweis, dass eine ver­kehrs­s­recht­li­che Tatsache nicht dadurch außer Kraft gesetzt wer­de, dass man sie nicht befolgt, ließ Mrs. L mit dem Hinweis, man dür­fe sich nicht alles gefal­len las­sen, nicht gelten. 

Letztendlich hiel­ten mei­ne Feststellungen Mrs. L nicht davon ab, eige­ne Erfahrungen zu sam­meln. So kam, was kom­men muss­te und ges­tern demons­trier­te die Ordnungsmacht ihren Handlungswillen und for­der­te für die Ordnungswidrigkeit des Befahrens einer für den Autoverkehr gesperr­ten Straße 50 Euro Bußgeld. 

Mrs. L hin­ge­gen demons­trier­te gegen­über der Exekutiven ihre Renitenz und ver­such­te sich in juris­ti­scher Argumentation und das mit Nachdruck. Geholfen hat das alles nicht. Statt eines Bußgelds erwar­tet Mrs. L nun eine Anzeige – ich ver­mu­te anhän­gend eine Vorladung wegen Insubordination und unge­bühr­li­chem Verhalten gegen­über dem Rechtsstaat. 

Zitate 2021

Wie jedes Jahr die Zitate, die in bemer­kens­wer­ter Weise hän­gen­ge­lie­ben sind.

«Wenn wir jetzt anfan­gen, uns noch ent­schul­di­gen zu müs­sen dafür, dass wir in Notsituationen ein freund­li­ches Gesicht zei­gen, dann ist das nicht mein Land.»
 — Angela Merkel, Altbundeskanzlerin — 

«Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht.»
 — Jörg Meuthen, AfD — 

«Also, ich wür­de mich zu der geho­be­nen Mittelschicht zählen.»
 — Multimillionär und CDU-Chef Friedrich Merz -