McCartney oldschool

„Du musst Chromdioxid nehmen, die anderen taugen nichts“, war die gängige Meinung von uns im Teenageralter, was die Tontechnik Ende der siebziger Jahre betraf.

Gemeint waren Musikkassetten, die wir aufgrund der finanziellen Situation mit Aufnahmen aus dem Radio bespielten. Natürlich ging es für auch immer um die Qualität der Aufnahme; ganz so einfach war das nicht, denn das was uns damals als Equipment zur Verfügung stand war doch eher bescheiden.

Tatsächlich bestand die Ausrüstung zumindest in den Anfängen aus einem tragbaren Kassenrecorder ausgestattet mit einem Mikrofon, das wir an den Lautsprecher hielten, um die legendäre Radiosendung „Mal Sandocks“ Hitparade aufzunehmen.

Das gelang mal mehr mal weniger gut, weil entweder die kleine Schwester ins Zimmer stürmte, oder Mal Sondock etwas zu verkünden hatte – beides fand sich natürlich in der Aufnahme wieder und konnte – so es denn der Aufruf der kleinen Schwester zum Abendessen war – für Heiterkeit bei einer der nächsten Kellerfeten mit Abspielen des Aufgenommenen führen.

Wir Jungs hatten übrigens immer dafür gesorgt, dass Paul McCartneys Mull of Kintyre mindestens drei Mal pro Kassettenseite aufgenommen wurde, da die Mädels zu diesem Song immer besonders anhänglich waren. Das es bei dem Song um einen Landstrich in Schottland ging, war uns nicht bewusst.

In der Endphase der Produktion jedenfalls wurden die aufgenommenen Musikkassetten beschriftet, was sich als schwierig erwies, da die Hülle nicht genug Schreibuntergrund für lange Texte bot. Das führte in Folge zu verkürzten Inhaltsverzeichnissen: Partyhits war demnach die Beschriftung für alle Inhalte.

Manchmal jedoch machten wir uns die Mühe in kleinstmöglicher Schrift Aufgenommenes außen auf der Hülle zu dokumentieren – meist war das der Fall um Sympathie beim anderen Geschlecht zu dokumentieren. Traf man dann noch den Musikgeschmack der Auserwählten, war der Rest ein Selbstläufer.

Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, der Erfinder der Musikkassette ist gestorben:

An der Stelle meinen Dank an Lou Ottens für viele wunderbare Kellerpartys im Teeniealter.

Briefe der Weltgeschichte XI

Am Morgen des 05. Februar 1913 kündigte Kaiser Wilhelm per Telegramm seinen Besuch in Straßburg an. Man solle, so ging es aus dem Inhalt des Telegramms hervor, die gesamte Garnison um 12.00 Uhr auf dem Exerzierplatz antreten lassen, um die Ankunft des Kaisers zu erwarten. 18.000 Soldaten und eine mit Fahnen geschmückte Stadt waren am Mittag des 05. Februar bereit, den Kaiser zu empfangen, der nicht kam. Ein wegen psychischer Auffälligkeiten beurlaubter Zahlmeister mit Namen August Wolter hatte sich den Scherz erlaubt und das gefälschte Telegramm als Postbote verkleidet der Administration der Stadt übergeben.

August Wolter, Public domain, via Wikimedia

Quelle:wikipedia.org

Einkaufen auf Autopilot

Der Mensch ist in der Lage, wiederkehrende Tätigkeiten so tief im Unterbewusstsein abzuspeichern, dass wir sie ohne große Überlegungen ausführen können. Diese Autopilotfunktion hilft, um z.B. beim Einkauf nicht zu bemerken, wie langweilig der im Grunde ist.

Wobei das längst nicht für alle gilt, es soll Menschen geben, die im Einkauf eine Art Sinn entdecken, beispielsweise um die soziale Interaktion aufrecht zu erhalten.

Mrs. L. behauptet allerdings, dass meine soziale Interaktion darin bestünde, an Menschen die mich ansprechen, mit gemurmelten Belanglosigkeiten vorbei zu gehen.

Aber das ist wieder etwas anderes.

Jedenfalls hilft die Routine des oft frequentierten Regals mit immer der gleichen Ware, die lästige Pflicht des Einkaufens erträglich zu machen; das Hirn schaltet auf Autopilot und ich werfe mechanisch alles für den Haushalt notwendige in einer Art automatischer Steuerung in den Einkaufswagen. Derweil kann sich das Hirn gedanklich mit anderen Dingen beschäftigen – Monotonieresistenz heißt das in der Psychologie.

Das funktioniert allerdings nur solange, wie die äußeren Umstände gleich sind. Auf das Einkaufsverhalten bezogen: Solange sich die Ware immer an dem Ort des Erinnern befindet, ist alles in Ordnung. Nun haben Supermärkte die Angewohnheit alle im Laden befindlichen Waren von Zeit zu Zeit komplett umzuräumen und so mein kognitives Navigationssystem erheblich zu stören und meine Laune zu senken.

Die Umräumaktion der Supermärkte ist weder Zufall noch Renovierungsarbeiten geschuldet, sondern das Ergebnis teurer Filialleiterseminare. Es soll nämlich, in der Hoffnung die Aufmerksamkeit des Kunden auf die noch anderen Produkte im Laden lenken zu können, der Autopilot beendet werden.

Mrs. L. meint, ich solle meine kognitiven Restfähigkeiten dazu nutzen, dem Filialleiter des Ladens meinen Unmut über derlei Unsinn mitzuteilen; Meckern könnte ich schließlich noch besser als auf Autopilot einzukaufen.

Wahr und Unwahr XLV

Wahr ist, dass in diesem Jahr der Karneval in ganz Deutschland ausgefallen ist.

Unwahr ist, dass die Hamburger davon etwas bemerkt hätten.

Wahr ist, dass die Bewegung der Frauen in der katholischen Kirche, Maria 2.0, mehr Rechte für sich einfordern.

Unwahr ist, dass der Klerus zur Stärkung des Frauenbildes in der katholischen Kirche die freie Wahl der Farbe der Putzeimer verspricht.

Wahr ist, dass die Jugendorganisation der AFD in Bayern davor warnt, sich der jugendlichen Triebe mittels Selbstbefriedigung zu entledigen.

Unwahr ist, dass die vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremistischer Umtriebe beobachtete Jugendorganisation ihre Argumentation auf die Verschwendung wertvoller Ressourcen des deutschen Volkskörpers stützt.