Mein lieber Onkel OTTO

Ich kenne den OTTO Versand noch als Katalog-Vertrieb. Zweimal im Jahr erschien der über 600 Seiten dicke Katalog und konnte notfalls als Tritt für uns Kinder herhalten, weil an der Süßigkeitenklappe im Wohnzimmerschrank fünf Zentimeter fehlten.

Der Katalog erschien als Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter Kollektion. Als Kinder waren wir begeistert über die Spielzeugseiten, als Jugendliche entflammten wir uns für die Damenbademoden. OTTO schaffte den Katalog im Jahr 2018 ab, weil auch dem OTTO Vertrieb irgendwann klar war, dass der Katalog weniger der ureigenen Bestimmung folgte, sondern eher zweckentfremdet wurden.

Jedenfalls verschrieb sich OTTO der Moderne, baute den Onlinehandel kräftig aus und gab sich betont lässig und hip. Man wollte offenbar weg vom verstaubten Eiche-Rustikal Wohnzimmerschrankwandambiente. In Folge wurden die Kunden bei OTTO auch nicht mehr gesiezt. Weg vom Filterkaffee aus der Krups Maschine, hin zum Kaffeevollautomat für die hippe Latte Macchiato-Fraktion.

Unsere Generation wird gnadenlos mit einbezogen in den Kulturwandel, fortan wurde es distanzlos im OTTO-Verlag, das Duzen unumstößlich. Persönlich kenne ich das OTTO Team nicht und eigentlich möchte ich auch nicht geduzt werden, das zu entscheiden liegt offenbar außerhalb meiner Regelungsreichweite.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Michael Otto wäre sicher nicht begeistert davon, von seinen Kunden geduzt zu werden. Ich käme da auch nicht drauf. Der OTTO Vertrieb umgekehrt schon. Konsequenter Weise wird der Kunde, zumindest in der Schriftform per E-Mail, mit dem Vornamen angesprochen, gefolgt vom penetranten Geduze im OTTO-Vetriebssprech.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Michael Otto,
wenn mich ihre Leute schon mit Vornamen ansprechen, dann lassen Sie es doch bitte wenigstens beim Hamburger Sie. Oder hast Du mit mir auf Sylt Dein Badetuch geteilt, Michael?

Osterlyrik

Ostern ist ein Fest mit Eiern,
das wir stets im Frühjahr feiern.
Würden wir's im Herbst begehen, wo die starken Winde wehen,
blieben Eier niemals liegen, weil sie aus den Nestern fliegen.
Deshalb ist es gut und fein - Ostern im April muss sein.
- Autor unbekannt

Ausgangssperre

Der Karfreitag gehört zu den “stillen” Feiertagen, Tanzen und andere Vergnügungen sind verboten, zumindest wenn sie mit Lärm verbunden sind. Warum der Landrat von Uetersen im Kreis Schleswig-Holstein im August 1914 einen Lockdown verhängte, bleibt sein Geheimnis. Möglich ist aber das der Kriegsbeginn zwei Wochen vorher ausschlaggebend war. Viel Theater wird es um die Bekanntmachung nicht gegeben haben, in der Kaiserzeit war man noch recht obrigkeitshörig.

Klingonisch als Amtssprache

Klingonisches Wappen
Lange hat man an der Entscheidung gerungen, jetzt ist es soweit. Die Bundesregierung hat verfügt, dass ab dem Jahr 2025 eine neue Amtssprache eingeführt werden soll. Der Hintergrund ist, dass immer weniger Bürgerinnen und Bürger die deutsche Sprache verstehen, lesen oder schreiben können. Inzwischen werden amtliche Mitteilungen neben der offiziellen Variante sogar in “leichter Sprache” aufbereitet. Auch der zunehmende Einfluss von Anglizismen stellt einige Mitmenschen vor große Herausforderungen.

Wenn der Director of Human Resources ein Get-together der High-Performer ansetzt, um die nächsten Milestones festzulegen, mag das für einige normale Alltagssprache sein, die wenigsten allerdings werden irgendetwas von dem Kauderwelsch verstehen.

Die politisch korrekte Verwendung des richtigen Artikels in Verbindung mit dem Substantiv ist eine weitere Hürde, die die deutsche Sprache nicht einfacher macht. Letztendlich muss festgestellt werden, dass die Grundlage unserer Sprache nicht mehr für alle funktioniert. Die Hauptaufgabe der Kommunikation, der Austausch der Informationen, ist somit bereits deutlich gestört, man versteht den anderen schlichtweg nicht mehr.

Aus diesem Grund fordert ein Gremium von Kommunikationswissenschaftlern schon lange eine einheitliche Sprache, die jeder verstehen kann. Eine neue Amtssprache soll dabei so effektiv wie einfach sein.

Eine Sprache, dass sich nur auf Verben und Substantive und damit auf das Wesentliche konzentriert, könnte der Kommunikation untereinander behilflich sein und – im wahrsten Sinne des Wortes – zu einem neuen Verständnis führen. In der Abwägung verschiedener Sprachen kommt man sehr schnell auf die klingonische Sprache.

Die klingonische Sprache ist sehr stark mit einem Baukastensystem zu vergleichen. Sätze werden aus vielen Einzelteilen in einer (fast immer) unveränderbaren vorgegebenen Reihenfolge zusammengesetzt. Das Klingonische kennt weder Konjugation noch Deklination. Es gibt auch keine verschiedenen Zeitformen und keine Artikel. [wikipedia]

Vor allem aber auch die Vereinfachung komplexer Sachverhalte auf ein oder zwei Wörter könne zu einem nachhaltigen Verständnis der Bürger in Deutschland führen. Zeitraubende Höflichkeitsfloskeln könnten entfallen. Klingonen begrüßen sich beispielsweise mit dem Ausdruck: „nuqneH“, was so viel heißt wie: “Was willst Du?“

Eine neue Amtssprache wie Klingonisch würde alle Kriterien erfüllen, die ein besseres Verständnis der Bürgerinnen und Bürger untereinander, mit Ämtern und Politikern verbessern könnte. Qapla!

Grenzenlose Gier

„Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen“, soll der britische Premierminister Winston Churchill gesagt haben, wobei meist der Nachsatz unterschlagen wird:“ [..]abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.”

Rein in die Kartoffel, raus aus den Kartoffeln, so könnte derzeit der Politikbetrieb beschrieben werden. Aber ist das wirklich so? Politik in einer Demokratie ist vor allem zäh, sie muss Kompromisse eingehen, Argumente werden abgewogen. Prozesse dauern, weil Meinungen nun mal so verschieden sind wie die Menschen.

Zudem werden Parlamente aus Kalkül oder von Parteien, denen ist nicht so sehr um Problemlösungen, denn um Störaktionen im Parlament geht, ausgebremst. Die rechtsnationale AFD beispielsweise beschäftigt den Bundestag oft und gerne mit Anfragen, die oftmals nur der Diffamierung dienen. Indes – eine stabile Demokratie hält auch Demagogen aus.

Nachhaltig beschädigt wird eine Demokratie und damit ein Parlament vor allem dann, wenn es den Volksvertretern vermeintlich oder tatsächlich nur noch um die eigene Bereicherung geht.

Wer sich als Minister eine Villa leistet, die mehr als vier Millionen Euro kostet, hat den Bezug zum Normalbürger verloren.

Wer sich als Politiker für einen Deal mit notwendigem Schutzmaterial für die Bevölkerung auf lukrative Schmiergeldzahlungen einlässt, handelt unethisch.

Ein Bundestagsabgeordneter erhält ein Grundgehalt [Aufwandsentschädigung] von 10.083 Euro im Monat, daneben steht jedem Abgeordneten eine steuerfreie Aufwandspauschale von 4560 Euro zu.

Das ist mehr als viermal so viel wie der Durchschnittsverdienst in Deutschland. Es gibt keine besonderen vorgeschriebenen Qualifikationen für diesen Beruf, wie das normalerweise in dieser Gehaltsklasse in der freien Wirtschaft gefordert wird.

Die guten Gehälter werden gemeinhin akzeptiert, sie sollen die gewählten Volksvertreter unabhängig und unbestechlich machen. Der Souverän kann erwarten, dass die Parlamente unabhängige Entscheidungen treffen, die die Lebensumstände ihrer Wähler verbessern – oder wie im Fall der Pandemie – Krisen meistern.

Politiker die sich dem Verdacht der Korruptheit oder der Gier aussetzen, beschädigen die Demokratie und zwar nachhaltig. Meiner Ansicht nach sind strengere Regeln notwendig. Gelder von Aufsichtsratstätigkeiten sollten an gemeinnützige Stiftungen abgeführt werden. Lobbyregister eine Vorteilsnahme zumindest einschränken, Nebentätigkeiten begrenzt werden. Alle Nebeneinkünfte müssen hinterfragt werden, Parlamentarier sollten sich schließlich vollumfänglich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren, so will es auch das Gesetz.

Nur so wird aus einer Krise keine Krise der Demokratie.

Wahr und Unwahr XLVI

Wahr ist, dass Gesundheitsminister Jens Spahn für seine Villa 4,125 Millionen Euro bezahlt hat.

Unwahr ist, dass die deutschen Apotheker sich an der Kaufsumme aus Dank für das gute Geschäft mit dem Mund-Nasen-Schutz beteiligt hätten.

Wahr ist, dass immer mehr Priester die Segnung und Anerkennung von homosexuellen Paaren von der katholischen Kirche fordern.

Unwahr ist, das die katholische Kirche Homosexualität schon deshalb nicht anerkennt, weil die Kleriker sonst Schwierigkeiten hätte, an die bis dato wortwörtliche Auslegung der Bibel für ihre Anhänger zu verteidigen.

Wahr ist, dass die CDU derzeit schwer an der Affäre einiger ihrer Mitglieder bezüglich Korruption und Vorteilsnahme zu tragen hat.

Unwahr ist, dass eine Vielzahl von Affären (Affären mult. sozusagen ;-), Roland Koch als Lehrstuhlinhaber an einer privaten Wirtschaftsakademie qualifiziert haben.

McCartney oldschool

„Du musst Chromdioxid nehmen, die anderen taugen nichts“, war die gängige Meinung von uns im Teenageralter, was die Tontechnik Ende der siebziger Jahre betraf.

Gemeint waren Musikkassetten, die wir aufgrund der finanziellen Situation mit Aufnahmen aus dem Radio bespielten. Natürlich ging es für auch immer um die Qualität der Aufnahme; ganz so einfach war das nicht, denn das was uns damals als Equipment zur Verfügung stand war doch eher bescheiden.

Tatsächlich bestand die Ausrüstung zumindest in den Anfängen aus einem tragbaren Kassenrecorder ausgestattet mit einem Mikrofon, das wir an den Lautsprecher hielten, um die legendäre Radiosendung „Mal Sandocks“ Hitparade aufzunehmen.

Das gelang mal mehr mal weniger gut, weil entweder die kleine Schwester ins Zimmer stürmte, oder Mal Sondock etwas zu verkünden hatte – beides fand sich natürlich in der Aufnahme wieder und konnte – so es denn der Aufruf der kleinen Schwester zum Abendessen war – für Heiterkeit bei einer der nächsten Kellerfeten mit Abspielen des Aufgenommenen führen.

Wir Jungs hatten übrigens immer dafür gesorgt, dass Paul McCartneys Mull of Kintyre mindestens drei Mal pro Kassettenseite aufgenommen wurde, da die Mädels zu diesem Song immer besonders anhänglich waren. Das es bei dem Song um einen Landstrich in Schottland ging, war uns nicht bewusst.

In der Endphase der Produktion jedenfalls wurden die aufgenommenen Musikkassetten beschriftet, was sich als schwierig erwies, da die Hülle nicht genug Schreibuntergrund für lange Texte bot. Das führte in Folge zu verkürzten Inhaltsverzeichnissen: Partyhits war demnach die Beschriftung für alle Inhalte.

Manchmal jedoch machten wir uns die Mühe in kleinstmöglicher Schrift Aufgenommenes außen auf der Hülle zu dokumentieren – meist war das der Fall um Sympathie beim anderen Geschlecht zu dokumentieren. Traf man dann noch den Musikgeschmack der Auserwählten, war der Rest ein Selbstläufer.

Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, der Erfinder der Musikkassette ist gestorben:

An der Stelle meinen Dank an Lou Ottens für viele wunderbare Kellerpartys im Teeniealter.