Sauerländer Jecken

Kar­ne­val und Sau­er­land, das schließt sich eigent­lich gegen­sei­tig aus, zumin­dest dann, wenn man Kar­ne­val mit Humor in Ver­bin­dung bringt. Der Sau­er­län­der spricht sich davon näm­lich gänz­lich frei. Wer nun Kar­ne­val als Freund von Albern­hei­ten und des Trink­sports ansieht, der wird den Sau­er­län­der auch da fin­den. Und tat­säch­lich, hier, im Rand­ge­biet des Sau­er­lands wird eben­falls gefei­ert. Die Kern­kom­pe­tenz von uns Sau­er­län­dern ist das aller­dings nicht. Im Sau­er­land kön­nen wir Schüt­zen­fest – und das nicht zu knapp. 

Kar­ne­val fühlt sich indes hier immer so an wie ein Vega­ner in einer Metz­ge­rei. Irgend­wie nicht rich­tig, leicht gequält und im Grund froh, wenn’s vor­bei ist. Wobei wir hier noch Glück haben; 10 Kilo­me­ter wei­ter ist der Kar­ne­val gänz­lich unbe­kannt und so kom­men wir sozu­sa­gen mit einem Streif­schuss davon. 

Die Kin­der sin­gen ein biss­chen an den Haus­tü­ren für Süßig­kei­ten, die Jugend­li­chen einen Tag spä­ter für Alko­ho­li­sches, zwei klei­ne Ver­an­stal­tun­gen und das war’s dann. Für die hei­mi­schen Akteu­re indes ist der Sau­er­län­der Kar­ne­val eine Art Abhär­tung zur Stei­ge­rung der Widerstandsfähigkeit. 

Das Publi­kum dankt näm­lich dem Ver­such des Humors der kar­ne­va­lis­ti­schen Büh­nen­ein­zel­kämp­fer meist mit gepfleg­tem Desinteresse. 

Aber wie bereits ange­merkt, wir hier im Sau­er­land kön­nen Schüt­zen­fest, ⁣ da macht uns kei­ner was vor. Und was den Humor angeht – den soll­ten wir eh bes­ser den ande­ren über­las­sen

2 Comments Sauerländer Jecken

  1. Dr. Nerd

    Hi Peter,
    ein Freund von mir wohnt in Sie­ve­rin­gen (ich sage immer Schlumpfd­ort dazu, weil es so klein ist, dass es nur von dort ansäs­si­gen Schlümp­fen mit­ten im Nir­gend­wo gefun­den wird). Die haben dort auch Kar­ne­val — natür­lich in der Schüt­zen­hal­le, denn wie Du rich­tig bemerkt hast, ist Schüt­zen­fest bekann­ter als Kar­ne­val — und auch wichtiger.
    Für mich als Ruhr­pott-Kind (ich habe das Glück dort regel­mä­ßig ein­ge­la­den zu wer­den — schließ­lich bin ich ein berühm­ter Blog­ger und Influ­en­zer) ist das dort schon .. sagen wir selt­sam.. Ich mei­ne, das ist Kar­ne­val wie von einem ande­ren Stern. Einem weit, weit weit ent­fern­tem Stern, auf dem Humor unbe­kannt ist. Die sind sooo süß rüh­rend bemüht dort Sket­che auf der Büh­ne auf­zu­füh­ren — lei­der sind die gefühlt so alt, dass man die wahr­schein­lich als Höh­len­ma­le­rei in einer Nean­der­ta­ler-Höh­le gefun­den hat — mit dem Ver­merk die Poin­te ist kacke..
    Trotz­dem fahr ich dort gern hin. Die Schlümp­fe .. äh Men­schen sind nett, und ich gönn denen Ihren Spass. Es muss ja nicht immer alles per­fekt sein..

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    1. Peter Lohren

      Sie­ve­rin­gen ist nicht weit von hier, aber noch klei­ner als unser Dorf (700 Ein­woh­ner), da wird’s dann noch schwie­ri­ger mit den Akteu­ren. Die­je­ni­gen, die auf der Büh­ne ste­hen, feh­len natür­lich ent­spre­chend im Publikum. 

      Des­halb ist das Schüt­zen­fest auf den Sau­er­län­der Dör­fern ja so beliebt. Die Män­ner vor der The­ke, die Frau­en in der Cock­tail­bar und die Kin­der auf dem ein­zi­gen Karus­sell auf dem Dorf­platz oder an der Schieß­bu­de, wo die Kid­dys ihre ange­trun­ke­nen Väter auf­for­dern, doch für sie den süßen Ted­dy zu schie­ßen, die sich ihrer­seits mit dem Spruch: “Der Gewehr­lauf ist ja total krumm”, bei den umste­hen­den Zuschau­ern für man­geln­de Schieß­küns­te entschuldigen. 😉

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