Tagebuch des Henkers Franz Schmidt

Wenn von Tötung die Rede ist, muss das nicht zwangs­läu­fig auch etwas mit Mord zu tun haben. Schließlich war es auch in der BRD durch­aus üblich, Menschen hin­zu­rich­ten. Erst 1949 wur­de die Todesstrafe abge­schafft. Im 16 Jahrhundert war die Todesstrafe ganz oben auf der Tagesordnung. Auch Verstümmelungen und Auspeitschungen waren üblich. Schwor man bei­spiels­wei­se einen Meineid und wur­de über­führt, konn­te das schon mal drei Finger kos­ten, den ein Henker dem Überführten abhack­te. Auch das Abschneiden der Ohren war durch­aus üblich. 

Henker oder auch Nachrichter war kein ehr­ba­rer Beruf. Meist wur­de von der Obrigkeit jemand aus dem Volk bestimmt und so für Generationen ver­pflich­tet, Exekutionen oder Amputationen durch das Schwert oder Beil vor­zu­neh­men. Der Henker war zwar Staatsdiener mit durch­aus gutem Gehalt, muss­te aber zumeist am Dorfrand in einer Dienstwohnung woh­nen und durf­te fort­an kei­nen ande­ren Beruf mehr aus­üben. Der Henkersjob war ein uneh­ren­haf­ter Beruf, nichts des­to trotz konn­te man es in dem Beruf zum Meister bringen. 

Obwohl das Lesen und Schreiben für einen Henker eher unüb­lich war, gibt es doch Aufzeichnungen schrift­li­cher Art aus der Zeit des Spätmittelalters. Der Scharfrichter Franz Schmidt aus Nürnberg führ­te von 1573 bis 1617 ein detail­lier­tes Verzeichnis der von ihm voll­zo­ge­nen Strafen. 

Franz Schmidt kämpf­te im Übrigen zeit­le­bens dar­um, den Makel sei­nes Berufs abzu­strei­fen und sich und sei­ne Familie von der sozia­len Ächtung zu befrei­en. Das gelang ihm tat­säch­lich im Jahre 1593, als er das Nürnberger Bürgerrecht erlangte. 

Durch sei­ne prak­tisch erwor­be­nen Kenntnisse in Anatomie, war er nach sei­ner Pensionierung noch als Arzt tätig. Die Eintragungen waren indes eher Aufzählungen als Erzählungen, zudem schrieb der Henker auf­grund feh­len­der Schulbildung nach Gehör.

Hinrichtungen und Leibstrafen — Amazon Link