Teil IV

Nachtrag

(pelo) Es gibt ver­schie­de­ne Gründe, war­um nie­mand mehr bereit war, unzäh­li­ge Stunden zu inves­tie­ren, einen Großteil des Jahresurlaubs zu opfern, um eine Drei-Tage-Fete auf­zu­zie­hen. Ein Teil der zwei­ten Generation hat­te plötz­lich immer mehr an dem aus­zu­set­zen, was wir von der ers­ten Generation über­nom­men hat­ten, weil es eben­so wie für die Gründer, zu unse­rer Lebensphilosophie pass­te. Das, was mei­ner Meinung nach den Flair des Kalkofenfestivals aus­mach­te, das Woodstock Feeling, das Gefühl, fried­lich mit hun­der­ten von Leuten bei Bluesmusik zu fei­ern und was letzt­end­lich zu dem führ­te, was das Kalkofen Open Air aus­mach­te, wur­de plötz­lich in Frage gestellt. 

Alles das was ich und ande­re der zwei­ten Generation ver­ab­scheu­ten, schien plötz­lich sehr nahe. Gut, es waren bis­her nur ein­zel­ne Stimmen, die ver­schie­de­ne Änderungen im Ablauf in die Diskussion brach­ten, aber letzt­end­lich merk­te man, dass es eben nicht mehr die Gruppe von Kalkofenverrückten war, die sich an einer gemein­sa­men Idee ori­en­tier­ten. Die Luft war raus, das war klar. Über kurz oder lang hät­te es zwei Lager gege­ben, die sich mehr in Diskussionen, denn in der Organisation erge­ben hät­ten. Natürlich wur­den auch die Auflagen der Behörden immer stren­ger und sie wur­den immer mehr. Zudem hat­te Ende der Neunziger die zwei­te Generation das Alter der Familienplanung erreicht und da war für vie­le neben der Familie, Haus und Beruf kaum noch Zeit übrig.

Es darf ja nicht ver­ges­sen wer­den, dass nach dem Kalkofen, vor dem Kalkofen hieß. Fast jedes Wochenende waren wir in Musikszenerien unter­wegs, um Bands für das nächs­te Jahr zu sor­tie­ren. Das Kalkofen Open-Air hat­te zu der Zeit jedoch schon so einen guten Namen, dass sich die Bands förm­lich um einen Auftritt ris­sen. Namenhafte Künstler hat­ten ihre Anfänge beim Kalkofen; man den­ke an Sasha, der damals noch mit der Band Junk Food auf­trat. Uns kam das ent­ge­gen, hat­ten wir doch hier im Umkreis für die Veranstaltungen fast immer frei­en Eintritt ;-)

Letztendlich waren es wohl auch dem Zeitgeist geschul­det, dass sich nie­mand mehr die Arbeit der Organisation des groß­ar­ti­gen Kalkofen Festivals machen woll­te. Vielleicht ist es ganz gut so, wer weiß ob das Kalkofen Open Air sonst den Kultstatus erreicht hät­te, den es jetzt hat?